Schritt für Schritt

Schritt für Schritt

Phase 1: Hospitationsschwerpunkt festlegen

Es ist wichtig, sich zunächst auf einen oder zwei konkrete Schwerpunkte bei der Hospitation festzulegen. Bei der Wahl des Schwerpunktes sollte man sich überlegen, wo Potentiale und eigene Interessen liegen. Lehrwerke und auch Universitäten stellen detaillierte Schwerpunktlisten zur Verfügung, an denen man sich orientieren kann. Gegen Ende der ersten Hospitationswoche sollte man sich auf einen Hospitationsschwerpunkt festgelegt haben und mit der zielgerichteten Beobachtung beginnen.

TIPP: Bevor man sich auf einen Hospitationsschwerpunkt festlegt, ist es in manchen Fällen hilfreich, zunächst die Klasse und die Lehrperson kennenzulernen. Dies kann durch Gespräche oder spontane Beobachtungen ohne konkreten Hospitationsschwerpunkt geschehen.

Phase 2: geeignete Beobachtungsmethode auswählen

Die Auswahl der Beobachtungmethode sollte sich in jedem Fall auf den zuvor festgelegten Schwerpunkt beziehen. Hat man sich beispielweise den Schwerpunkt „Unterrichtsbeteiligung von Schülerinnen und Schülern“ ausgesucht, bietet sich als Methode „Strichlisten“ an. Hier liegt der Fokus auf der quantitativen Beobachtung. Wählt man hingegen den Schwerpunkt „Unterrichtsstörungen“, liegt der Fokus auf einer qualitativen Beobachtung. Deshalb bietet sich zum Beispiel die Methode „Systematische Beobachtung“ oder „Narratives Protokoll“ an.

Auch hier stellen Lehrbücher und Universitäten eine Vielzahl von Beobachtungsbögen zu unterschiedlichen Hospitationsschwerpunkten zur Verfügung (siehe auch Beispiele und Übungen). Die vorgefertigten Bögen sollten jedoch nicht einfach übernommen werden, sondern hinsichtlich der eigenen Hospitationssituation individuell überarbeitet und verändert werden.

Phase 3: Beobachtung

Bei der Beobachtung nimmt man je nach festgelegtem Schwerpunkt eine geeignete räumliche Position im Klassenzimmer ein. Wenn beispielsweise das Lehrerhandeln im Fokus steht, sollte man sich im hinteren Bereich des Raumes positionieren.

Zuvor sollte man mit der Lehrperson absprechen, ob man eine teilnehmende oder eine nicht-teilnehmende Beobachterrolle einnimmt. Als nicht-teilnehmende/r Beobachter/in kann man sich ganz auf das Beobachten konzentrieren. Die Beobachterrolle muss nicht zwangsläufig während des gesamten Unterrichts gleichbleibend sein, sondern kann in verschiedenen Unterrichtsphasen auch wechseln. Dennoch sollte man immer beachten, dass man als Hospitant/in das Unterrichtsgeschehen nicht stört.

Folgende Regeln sollten während einer Hospitation eingehalten werden:

  • Einnehmen einer wertschätzenden und respektvollen Haltung
  • Aneignung ausreichender Informationen über den Unterricht durch Vorgespräche
  • Absprache des Hospitationsschwerpunktes und Schaffung von Transparenz
  • Bereitschaft zu Offenlegung der eigenen Notizen
  • Einnehmen einer möglichst objektiven Haltung gegenüber dem beobachteten Unterricht
  • Anonymisierung der Aufzeichnungen für weitere Nutzung
  • Persönlichkeit der Lehrperson sollte nicht Gegenstand der Besprechung sein

TIPP: Empfehlenswert ist es, den ausgewählten Beobachtungbogen auch wirklich zu nutzen und nicht während der Hospitation zu wechseln. Dies erleichtert die spätere Auswertung und Reflexion der Aufzeichnungen.

Phase 4: Auswertung der Hospitation

Die Auswertung der Hospitationsaufzeichnungen stellt einen zentralen Aspekt der Hospitation dar. Hier findet der eigentliche Lernprozess statt, indem man die Aufzeichnungen mit theoretischem Wissen verknüpft und Theorien bezüglich beobachteter Verhaltensweisen entwickelt.

Je nach Universität und deren Nachbereitungsseminare können unterschiedliche Aufgaben zur Auswertung gestellt werden.

Phase 5: Schlussfolgerungen für eigenen Unterricht

Nachdem die Hospitation ausgewertet wurde, können eigene Schlüsse für das zukünftige Handeln als Lehrperson gezogen werden. Dazu könnten folgende Überlegungen angestellt werden:

  • Ist der Umgang in einem konkreten Fall gelungen?
  • Welche alternativen Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Die gewonnenen Erkenntnisse der Hospitation und darauf folgende Schlussfolgerungen können dabei helfen, das eigene Selbstkonzept als Lehrperson zu überdenken und weiterzuentwickeln. Dies ermöglicht ein Voranschreiten der eigenen Professionalisierung.