Schritt für Schritt

Schritt für Schritt

Im Folgenden werden wichtige Schritte erläutert, die Sie bei der Planung einer qualitativen Studie beachten sollten.

Die Überprüfung der Qualitätskriterien erfolgt während des gesamten Untersuchungsprozesses. Sie ist kein einzelner Schritt, sondern sollte Ihre Studie immer nebenher begleiten!

Vorüberlegungen

Bevor Sie mit der Studie beginnen, sollten Sie sich zunächst folgende Fragen beantworten:

  • Wie viel Zeit habe ich für die Studie?

In den Übungen finden Sie Hilfen zur Zeitplanung.

In dem OWL-Modul „Planung einer wissenschaftlichen Arbeit “ finden Sie wichtige Hinweise zur Zeitplanung, die sich auch auf die qualitative Forschung übertragen lassen.

  • Welchen Umfang soll die Studie haben?
  • Welche Mittel stehen mir zur Verfügung?
  • Habe ich Zugang zu dem Feld (Themengebiet), das mich interessiert?
  • Kenne ich bereits empirische Forschungsmethoden, die meinem Forschungsanliegen gerecht werden?

Tipp: Schreiben Sie ein Blitzexposé . Es hilft Ihnen dabei, die wesentlichen Fragen zur Planung Ihrer Arbeit zu berücksichtigen.

Recherche und Sichtung von Literatur

Bevor Sie mit der Formulierung einer Fragestellung beginnen, sollten Sie einschlägige Forschungsliteratur zu Ihrem Thema lesen. Dazu gehört sowohl Literatur zur Theorie als auch zu verwandten Studien.

Damit Sie einen Überblick über relevante Forschungsmethoden gewinnen, sollten Sie sich auch mit entsprechender Literatur vertraut machen.

Formulierung der Forschungsfrage

Bevor Sie Ihre qualitative Studie im Detail planen, ist es wichtig, dass Sie sich bewusst machen, warum Sie die Studie durchführen. Was wollen Sie wissen? Die Beantwortung dieser Frage ist der Ausgangspunkt für das weitere Vorgehen. Deswegen ist es wichtig, die Fragestellung so konkret wie möglich zu formulieren. Ist sie nicht klar formuliert, besteht die Gefahr, dass Sie viel Zeit mit der Sammlung von Daten verbringen, mit denen Sie am Ende nichts anfangen können.

Hinweis: Thema und Fragestellung sind nicht identisch. Zum Beispiel ist die „Belastung im Studium“ nur ein Themenbereich, aber noch keine Fragestellung. Zu diesem Thema lassen sich unterschiedliche Fragestellungen entwickeln. Zum Beispiel:

  • Wie hoch empfinden Studenten die Belastung in ihrem Studium?
  • Wie hoch empfinden Studenten im Masterstudiengang die Belastung im Studium im Vergleich zu Studenten im Diplomstudiengang?
  • Wie hoch ist die von den Studenten wahrgenommene Belastung verglichen mit ihrem tatsächlichen Arbeitspensum?
  • Was empfinden Studenten in der Abschlussphase ihres Studiums als besonders belastend?

Eine Fragestellung muss also die Vielfalt eines Themenbereichs auf ein ganz bestimmtes Interessengebiet begrenzen.

Folgende Punkte können Ihnen helfen, eine geeignete Fragestellung zu finden:

  • - Was interessiert Sie genau an einem Thema?

Tipp: Hier kann ein Brainstorming unterstützen:

Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und notieren Sie alle Gedanken, Ideen und Eindrücke zu Ihrem Thema. Trauen Sie sich! Niemand wird Ihre Aufzeichnungen lesen. Diese Technik hilft Ihnen dabei, eine geeignete Fragestellung zu finden.

  • Überlegen Sie, was Ihr Erkenntnisinteresse ist.
  • Halten Sie eine vorläufige Definition der Fragestellung fest.

Tipp: Schreiben Sie die Definition auf ein Post-It und kleben Sie es an eine Stelle, die Sie beim Arbeiten immer sehen. So verlieren Sie Ihre Fragestellung nicht aus den Augen.

  • Gibt es Personen, die das potentielle Forschungsfeld kennen und mit denen Sie sich austauschen können?
  • Sichten Sie die Fachliteratur zu Ihrem Thema.

Tipps:

- Die Sichtung von Literatur zum Thema und die Formulierung einer Fragestellung sind keine voneinander getrennten Prozesse. Lesen Sie weiter, nachdem Sie eine vorübergehende Fragestellung gefunden haben, um diese präzisieren zu können, bis Sie eine Fragestellung gefunden haben, mit der Sie arbeiten können.

- Weitere Hinweise zum Entwickeln einer Fragestellung finden Sie hier

- Folgende Fragen sollten Sie bei der Formulierung der Fragestellung mit „Ja“ beantworten können:

  • Folgende Fragen sollten Sie bei der Formulierung der Fragestellung mit „Ja“ beantworten können:
  • Ist es Ihnen mit der Fragestellung gelungen, ein Themenfeld ein- und gegen weniger relevante Aspekte abzugrenzen?
  • Lässt sich die Fragestellung mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Mittel und im Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit beantworten?

(vgl. Flick 2007, S. 135-136)

Entwicklung von Hypothesen und Theorien

Anders als die quantitative Forschung, geht die qualitative Forschung nicht von Hypothesen aus, die im Verlauf der Studie dann empirisch geprüft werden. Vielmehr ist das theoretische Vorverständnis bei qualitativen Studien zunächst noch vage. Ziel ist nicht das Prüfen einer Hypothese, sondern das Verstehen eines Gegenstandsbereichs. Durch die mithilfe der qualitativen Forschung gewonnenen Daten soll das vage theoretische Vorverständnis präzisiert werden. Somit wird die Hypothesenentwicklung zu einem Teil des Forschungsprozesses. Indem die Hypothesen immer wieder auf die soziale Realität bezogen werden, müssen sie fortwährend überprüft und modifiziert werden (Lamnek 2010, S. 80). Dasselbe gilt für aufgestellte Theorien. Sie müssen offen dafür bleiben, aufgestellte Theorien in Frage zu stellen und gegebenenfalls zu modifizieren (vgl. Steinke 2008, S. 328).

Es ist deshalb wichtig, dass Sie sich darum bemühen, besonders offen für Neues und Unerwartetes zu sein. Nur so können neue Erkenntnisse gesammelt und Hypothesen aufgestellt werden, die nicht schon am Beginn der Studie feststanden (vgl. Lamnek 2010, S. 80). Um neue Aspekte eines Gegenstandsbereichs zu entdecken, müssen Sie bei der Sammlung von Daten Methoden wählen, die möglichst wenig vorstrukturiert sind und das Blickfeld nicht einschränken.

Hinweise zu Gütekriterien von Hypothesen und Theorien finden sie unter „Gütekriterien “ im Basiswissen.

Bestimmung des Forschungsfeldes

Von einem Feld spricht man bei „einer vom Untersucher möglichst unbeeinflussten, natürlichen Umgebung, wie beispielsweise einer Fabrik, einer Schule, einem Kinderspielplatz, einem Krankenhaus usw.“ (Bortz/ Döring 2006, S. 57). In qualitativen Studien wird ein solches Forschungsfeld bevorzugt, da es die Realität nicht durch künstlich geschaffene Bedingungen verfälscht, sondern möglichst nah an der Alltagswirklichkeit ist. Bevor Sie mit Ihrem Forschungsprojekt beginnen, sollten Sie sich die Frage stellen, welches Feld für Ihre Untersuchung am besten geeignet ist. Wo und von wem erfahren Sie am ehesten, was sie herausfinden möchten? Dazu gehört auch auszumachen, wie und ob Sie Zugang zu entsprechenden Institutionen oder Einzelpersonen erlangen können.

Wahl der Erhebungsverfahren

Im nächsten Schritt sollten Sie sich die Frage stellen, welche Erhebungsverfahren geeignet sind, um Ihre Fragestellung zu beantworten. An dieser Stelle sollten Sie auch überprüfen, ob die qualitative Methode für die Beantwortung Ihrer Fragestellung sinnvoll ist. Handelt es sich vielleicht doch eher um eine Frage, die statistisch messbare Ergebnisse fordert? Wenn Sie die Frage mit „Ja“ beantworten können, müssen Sie einen quantitativen Ansatz wählen. Hierbei können Ihnen die Informationen aus dem Basiswissen helfen.

Damit Sie die richtige Methode für den von Ihnen untersuchten Gegenstand wählen, ist es notwendig, sich einen Überblick über die Möglichkeiten und Grenzen qualitativer Methoden zu verschaffen. Eine grobe Übersicht über die Vielzahl der verschiedenen Erhebungsverfahren finden Sie im Basiswissen unter Methoden qualitativer Forschung .

Tipps

- Bei der Methodenwahl sollten sie folgende Fragen berücksichtigen:

  • Ist die Methode für das ausgewählte Forschungsfeld angemessen? D.h. kann die Methode erfassen, was Sie in Erfahrung bringen möchten?
  • Wie zeitaufwändig ist die Methode?
  • Stehen Ihnen alle notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung?

- Halten Sie bei der Entscheidung für ein Erhebungsverfahren unbedingt mit der Betreuerin/dem Betreuer Rücksprache.

Entwicklung der Erhebungsinstrumente

Planen Sie genug Zeit für die Entwicklung- und Pilotierungsphase Ihres Erhebungsinstrumentes ein (z.B. ein Interviewleitfaden oder ein Beobachtungsleitfaden). Wie Sie dabei am sinnvollsten vorgehen, entnehmen Sie am besten einschlägiger Literatur zu der jeweiligen Methode.

Literaturtipps finden sie hier.

Rekrutierung der Teilnehmer

Bevor Sie damit beginnen die TeilnehmerInnen für Ihre Studie zu rekrutieren, sollten Sie…

  • … möglichst präzise bestimmen, welches inhaltliche Interesse Sie an den untersuchten Personen haben. Ist es sinnvoll, nur eine bestimmte Altersgruppe, eine bestimmte Bildungsschicht etc. zu rekrutieren?
  • … auch von den besonders geeigneten Personen abweichende Vertreter in die Stichprobe aufnehmen. So kann die innere Repräsentativität gewährleistet werden, weil eine heterogene Gruppe vorschnellen Verallgemeinerungen vorbeugt.

(vgl. Helfferich 2005, S. 153-154)

Wie groß die Stichprobe ist, hängt häufig davon ab, wie gut zugänglich die zu untersuchenden Personen sind. Bei qualitativen Studien besteht die Möglichkeit, eine Stichprobe Schritt für Schritt zu erweitern. Man spricht vom theoretischen Sampling, wenn die bereits gesammelten und ausgewerteten Daten den Ausgangspunkt für die Entscheidung bilden, welche Daten als nächstes erhoben werden (vgl. Flick 2012, S. 159).

Bei Interviews kann die notwendige Größe einer Stichprobe durch das Saturierungsprinzip bestimmt werden. Dieses Prinzip besagt, dass die Stichprobe umfangreich genug ist, wenn trotz weiterer Interviews keine neuen Informationen gewonnen werden. Der Erkenntnisgewinn ist also gesättigt (vgl. Helfferich 2005, S. 154-155).

Aber wie kommt man nun zu den gewünschten Teilnehmern? Im Folgenden sind einige Möglichkeiten der Rekrutierung aufgelistet:

  • Über Aushänge, Flyer und Anzeigen in Print- und Online-Medien
  • Personen am Institut, die potentielle Teilnehmer ansprechen können
  • Mailverteiler der Universität oder des Instituts
  • Bekannte fragen, ob diese Personen kennen, die an der Studie teilnehmen würden (ggf. auch über einen Mailverteiler)

Hinweise:

  • Überlegen Sie sich gut, wie Sie die potentiellen Teilnehmer ansprechen können und bereiten Sie ein Informationsblatt über die Studie vor. Kann es vielleicht auch sein, dass die Teilnehmer von der Studie profitieren?
  • - Gehen Sie sicher, dass die Teilnehmer mit der Verwendung ihrer Daten einverstanden sind. Das Verwenden von Synonymen bei der Verarbeitung der Daten ist hierfür sinnvoll. Fertigen Sie Einverständniserklärungen an und lassen Sie diese unterschreiben.

Weitere Schritte

Durchführung und Protokollierung der Befragung/Beobachtung

Achten Sie bei der Durchführung Ihrer Studie darauf, die gewonnenen Daten gut zu protokollieren. Bevor Sie mit der Durchführung beginnen, machen Sie sich Gedanken darüber, wie Sie ihre Daten festhalten und wo Sie diese archivieren.

Aufbereitung der Daten

Nachdem Sie Ihre Daten durch Erhebungsverfahren gewonnen haben, müssen Sie diese aufbereiten, sichten und ordnen. Erst wenn Sie die gewonnenen Daten angemessen geordnet und dargestellt haben, können Sie mit der Auswertung beginnen. So müssen zum Beispiel mündlich durchgeführte Interviews in eine schriftliche Form gebracht, also transkribiert werden, bevor sie ausgewertet werden können.

Tipp: Informieren Sie sich über Computerprogramme, die Ihnen die Datenaufbereitung erleichtern. (z.B. Programme zur Transkription, Textanalyse oder zur Gestaltung von Schaubildern)

Interpretation der Daten

Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Verfahren, die für die Auswertung qualitativer Daten herangezogen werden können. Es ist wichtig, dass Sie sich mit den verschiedenen Möglichkeiten vertraut machen und sich für ein Vorgehen entscheiden. Dabei müssen Sie sich nicht auf ein Auswertungsverfahren beschränken. Es kann durchaus sinnvoll sein, verschiedene Analyseinstrumente zu kombinieren. Entscheidend ist, dass das Vorgehen für den Gegenstand und die Fragestellung angemessen ist.

Ergebniszusammenstellung

Wie eine empirische Arbeit im Detail aufgebaut sein muss, ist von der individuellen Ausrichtung der Arbeit und dem Fachgebiet abhängig, in dem die Arbeit geschrieben wird. Daher kann die Ergebniszusammenstellung sehr unterschiedlich aussehen. Sehen Sie sich am besten Beispielarbeiten aus ihrem Fachgebiet an, um sich eine Orientierung zu verschaffen. Im Folgenden ist eine grobe Übersicht über den Aufbau einer qualitativen Studie aufgelistet:

  • Einleitung
  • Theorie
  • Empirie

- Vorstellung des Forschungskonzepts

- Erläuterung der Methode

- Durchführung

- Auswertung der Ergebnisse

  • Diskussion
  • Fazit
  • Anhang

Hinweis: Das für die Erhebung der Daten und die Auswertung verwendete Material – z.B. Kategorienschema, Kategoriendefinition, Transkripte – gehört in den Anhang und nicht in den Hauptteil.