Basiswissen

Wie schreibt man Abstracts?

Basiswissen

In diesem Abschnitt finden Sie Informationen zu folgenden Punkten:

  • Article-Abstract
  • Thesis-Abstract
  • Deskriptiver Abstract vs. Informativer Abstract
  • Abstract vs. Einleitung
  • Abstract vs. Zusammenfassung

Article-Abstract oder Paper-Abstract

Was ist ein Article-Abstract?

Article-Abstracts oder Paper-Abstracts sind Begleittexte konkreter wissenschaftlicher Artikel (papers) und die wohl am häufigsten publizierte Form des Abstracts. Meist wird der Abstract dem eigentlichen Artikel vorangestellt; in seltenen Fällen wird er auch hinter dem Artikel platziert.

Article-Abstracts umfassen typischerweise nur zwischen 100 und 150 Wörtern. Für spezifische Angaben zu Daten, Quellen bzw. eine ausführliche Argumentation oder Diskussion der Ergebnisse fehlt in der Regel der Platz.

Wie ist ein Article-Abstract aufgebaut?

Article-Abstracts folgen in der Regel einer strengen, stark konventionalisierten Struktur. Diese Struktur wurde im CARS-Modell (Creating a Research Space) von Swales & Feak zusammengefasst und sieht wie folgt aus:

Situation – Verortung (Ihrer Arbeit/Forschung) im Forschungsfeld

Problem – Aufzeigen der Forschungsnische

Lösung – Besetzen der Nische

Dieser Aufbau ermöglicht es Ihren Leser_innen, schnell und einfach die wichtigsten Aspekte Ihres Artikels nachzuvollziehen und eine Entscheidung zu fällen, wie lesenswert und relevant Ihr Artikel für sie ist.

(vgl. Huemer, Rheindorf, Gruber 2012)

Thesis-Abstract

Was ist ein Thesis-Abstract?

Zu Qualifizierungsarbeiten (Bachelor-Thesis, Master-Thesis, Dissertation) verfasste Abstracts werden als Thesis-Abstracts bezeichnet. Meist werden diese Abstracts in der Sprache der eigentlichen Arbeit und zusätzlich in englische Sprache gefordert. Der Umfang beträgt in der Regel zwischen einer halben und einer Seite.

Wie ist ein Thesis-Abstract aufgebaut?

Der Aufbau (die innere Logik und Struktur) ist weniger stark konventionalisiert, als es bei Article Abstracts der Fall ist. In einem gewissen Rahmen können Sie folglich in Absprache mit Ihren Dozent_innen/Betreuer_innen selbst eine Struktur wählen, die Ihnen zusagt und zu Ihrer Arbeit passt. Als Orientierungshilfe können die folgenden zwei Ansätze dienen:

  • Thesis-Abstract mit dem Schwerpunkt auf den Ergebnissen: Sie können in Ihrem Thesis-Abstract der inneren Logik und Struktur von Article-Abstracts (CARS Modell) folgen. Dabei können Sie den Fokus auf die Ergebnisse Ihrer Arbeit und die gewonnenen Erkenntnisse legen.Strukturorientierter Thesis-Abstract: Ihr Thesis-Abstract kann sich auch an der Struktur Ihrer Thesis orientieren. Dabei fassen Sie die einzelnen Abschnitte und Kapitel nacheinander in wenigen Wörtern/Sätzen zusammen. Achten Sie hierbei auf eine sinnvolle und leserfreundliche Verknüpfung der einzelnen Abschnitte und Gedanken. Vermeiden Sie bloße Aneinanderreihungen und Aufzählungen; Zusammenhänge zwischen den Abschnitten Ihrer Arbeit sollten für Ihre Leser_innen deutlich erkennbar sein.

(vgl. Huemer, Rheindorf, Gruber 2012)

Deskriptiver Abstract vs. Informativer Abstract

Abstracts werden, wie Sie bereits gesehen haben, u.a. anhand der zugrunde liegenden Textsorte klassifiziert. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal von Abstracts ist der unterschiedlich große Umfang. So findet sich insbesondere im englischen Sprachraum die Unterscheidung zwischen deskriptiven und informativen Abstracts. Deskriptive Abstracts umfassen meist weniger als 100 Wörter, informative Abstracts hingegen 200-300. In der Regel beträgt die Länge eines informativen Abstracts weniger als zehn Prozent des umrissenen Texts. Die Angaben der Wortanzahl dienen lediglich als Orientierung, es gibt keine feste Wortgrenze, die beide Abstractformen eindeutig voneinander abgrenzt. Deskriptive und informative Abstracts unterscheiden sich neben dem Umfang auch auf inhaltlicher Ebene:

  • Deskriptive Abstracts informieren die Leser_innen über den Hintergrund, das Thema, die Fragestellung und die Ziele eines Texts. Auf die Darstellung von Methoden, Ergebnisse und Schlussfolgerungen wird dabei verzichtet. Deskriptive Abstracts sind in ihrem Inhalt und ihrer Aufgabe mit den ersten ein bis zwei Sätzen einer Einleitung vergleichbar.
  • Informative Abstracts hingegen sollten alle essentiellen Punkte der zugrunde liegenden Arbeit bzw. Forschung – thematischer Umfang, kontextueller Hintergrund, Fragestellung, Ziel und Absicht, Methoden (und Quellen), Ergebnisse (und Diskussion), Schlussfolgerungen – darstellen.

(vgl. Gould 2011; Hipp, Zoltan 2005)

Kurz&Knapp

In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten Eigenschaften und Unterschiede der beiden Abstractformen noch einmal zusammengefasst (vgl. Hipp, Zoltan 2005):

  Deskriptiver Abstract Informativer Abstract
Aufgabe
  • Allgemeine Information über den Text
  • Vergleichbar mit einem erweiterten Titel oder einem einleitender Satz
  • Darstellung aller essentiellen Punkte und Ideen eines Texts
Inhalt
  • Hintergrund
  • Thema
  • Fragestellung, Fokus
  • Ziel und Absicht
  • Thematischer Umfang
  • Kontextueller Hintergrund
  • Fragestellung, Fokus
  • Ziel und Absicht
  • Methoden und Quellen
  • Ergebnisse
  • Schlussfolgerungen
Umfang
  • Ein bis zwei Sätze
  • Ein Absatz
  • 200-300 Wörter
  • Maximal zehn Prozent des Texts

Abstract vs. Einleitung

Einleitung und Abstract überschneiden sich teilweise auf struktureller und inhaltlicher Ebene. Allerdings erfüllen beide Textteile grundsätzlich unterschiedliche Aufgaben im Gesamtkonzept eines wissenschaftlichen Textes. Auch hinsichtlich des Inhalts gibt es neben Gemeinsamkeiten auch deutliche Unterschiede. So ist die Darstellung (und Diskussion) der wichtigsten Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit dem Abstract vorbehalten. In der Einleitung werden keine Ergebnisse oder Schlussfolgerungen vorweggenommen.

(vgl. Hipp, Zoltan 2005)

Kurz&Knapp

Die folgende Tabelle stellt den Abstract der Einleitung am Beispiel eines wissenschaftlichen Artikels anschaulich gegenüber (vgl. Hipp, Zoltan 2005):

  Abstract Einleitung
Aufgabe und Funktion
  • Interesse wecken
  • Orientierung im Inhalt und der Textstruktur geben
  • Arbeit in Kontext einordnen
  • Relevanz verdeutlichen
  • Kurze Zusammenfassung des gesamten Textes
  • Entscheidungshilfe für Leser_innen, inwieweit der zugrunde liegende Text relevant ist
fällt weg
Inhalt (und Struktur)
  • Hintergrund (Stand der Forschung, Relevanz)
  • Problemstellung, Fragestellung, Fokus
  • Ziel, Zweck
  • Methodik, Vorgehensweise
  • Vorhaben, These
  • Umfang
  • Ergebnisse (und Diskussion)
  • Schlussfolgerungen, Ausblick
  • Empfehlungen
fällt weg

Abstract (abstract) vs. Zusammenfassung (summary)

Die Abgrenzung von Abstracts gegenüber Zusammenfassungen ist keinesfalls trivial. Teilweise werden beide Begriffe sogar synonym verwendet. Grundsätzlich lässt sich aber festhalten, dass Abstracts häufig einer strengeren, differenzierteren Struktur folgen (s.o. Article-Abstracts) als Zusammenfassungen.

Bei manchen wissenschaftlichen Texten wird sowohl eine Zusammenfassung als auch ein Abstract gefordert. Werden seitens Ihrer Dozent_innen oder Betreuer_innen keine Vorgaben gemacht, obliegt es Ihnen als Schreiber_in Unterschiede zu definieren. In der Regel lesen die Leser_innen den Abstract vor der Zusammenfassung. Langweilen Sie Ihre Leser_innen in Ihrer Zusammenfassung also nicht mit bloßen Wiederholungen dessen, was Sie bereits im Abstract geschrieben haben. Ihre Zusammenfassung sollte attraktiv sein und neue Facetten Ihrer Arbeit aufzeigen. Ein möglicher Ansatz ist es, den Blick der Leser_innen bewusst auf andere – bisher weniger intensiv behandelte – Aspekte zu lenken. Während Sie sich beispielsweise im Abstract auf die Fragestellung, die angewendeten Methoden und die erhaltenen Resultate konzentrieren, können Sie in der Zusammenfassung den Schwerpunkt auf die Frage „Was folgt daraus?“, d.h. den Schlussfolgerungen (conclusions), legen. Geben Sie einen Ausblick und verdeutlichen Sie den wissenschaftlichen Wert Ihrer Arbeit anhand dessen.

Kurz und Knapp

Abstract Zusammenfassung
Häufig stark konventionalisierte innere Logik Fokus kann in einem gewissen Rahmen selbst gewählt werden (z.B. Fokus auf den Schlussfolgerungen)