Basiswissen

Quantitative Studien

Basiswissen

Quantitative Forschung – Was ist das?

Die quantitative Forschung ist im Bereich der empirischen Forschung anzusiedeln, die sich von einer theoretischen, rein auf Literatur basierenden Arbeit, durch ihren praktischen Forschungsteil abzugrenzen ist. Das bedeutet, dass ein empirisches, also auf die Erfahrung der Sinne berufendes, Vorgehen angewandt wird. (Vgl. Raithel (2008): S. 11)

Diese Forschung lässt sich in zwei verschiedene Bereiche aufteilen: Die quantitative Forschung, welche Daten miteinander in Beziehung setzt und somit erklären möchte und die qualitative Forschung, welche menschliches Verhalten interpretiert und einen subjektbezogenen Prozess in den Mittelpunkt rückt.

Bei der quantitativen Forschung wird versucht, theoretische Hypothesen aufzustellen und diese zu überprüfen. Hierbei gibt es ein klares Schritt-für-Schritt-Verfahren, welches durchlaufen wird, um am Ende die durch standardisierte Methoden (wie Fragenbögen) erfassten Daten auszuwerten.

Die qualitative Forschung ist häufig der quantitativen Forschung vorgeschaltet, da bei ihr darauf abgezielt wird, neue Konzepte zu entdecken und Hypothesen aufzustellen. (Dies bedeutet allerdings nicht, dass diese Forschung von Ihnen betrieben werden muss, sondern lediglich, dass auf diese Ergebnisse zurückgegriffen werden sollte.) Der Ablauf ist hierbei eher zyklisch und flexibel, damit die Forschung ggf. den Umständen angepasst werden kann. Die Daten sind schwieriger zu vergleichen als bei einer quantitativen Methode, da bei einer qualitativen Studie die Datenerfassung (z.B. durch ein Interview oder ein Beobachtungsprotokoll) sehr personen- und situationsbezogen ist und Spielraum für Interpretationen bietet. (Vgl. Seipel/Rieker (2003): S. 13)

Der Unterschied von quantitativer und qualitativer Forschung

Bevor Sie mit ihrer Forschung beginnen, sollten Sie sich entscheiden, ob sie eine quantitative oder eine qualitative Forschung durchführen wollen. Dies hängt davon ab, an welcher Art von Ergebnissen Sie interessiert sind.

Wenn Sie Daten und Messwerte statistisch analysieren möchten, dann bietet sich die quantitative Forschung an, in der z.B. mit standardisierten Fragebögen gearbeitet wird. Die Methode ist deduktiv, das bedeutet, dass von einer allgemeinen Hypothese zum besonderen Einzelfall geschlossen wird. Ein Ausgangpunkt soll mit Hilfe von Einzelaussagen überprüft werden.

Wenn eine Theorie entwickelt werden soll und ein Schwerpunkt auf individuelle Aussagen einzelner Personen gelegt wird, bietet es sich an, die qualitative Forschung zu bevorzugen. Hierbei wird von Einzelaussagen induktiv auf eine Regel geschlossen, welche ggf. nachträglich quantitativ Erforscht wird. (Vgl. Bortz/ Döring (2006): S. 300)

Die folgende Tabelle stellt einige Unterschiede gegenüber:

  Qualitative Forschung Quantitative Forschung
Tabelle 1: Unterschiede zwischen qualitativer und quantitativer Forschung (Flick 2009, S. 26)   
Theorie als Endpunkt, soll entwickelt werden als Ausgangspunkt, soll überprüft werden
Fallauswahl gezielt nach theoretischer Ergiebigkeit des Falls an (statistischer) Repräsentativität orientiert, im Idealfall eine Zufallsauswahl
Datenerhebung offen standardisiert
Datenauswertung interpretierend statistisch
Verallgemeinerung im theoretischen Sinn im statistischen Sinn auf die Grundgesamtheit

Um einen genaueren Überblick über die qualitative Forschung zu bekommen, wird das zugehörige Modul „Qualitative Arbeiten planen“ empfohlen.

Kennzeichen quantitativer Forschung

Bei der quantitativen Forschung werden nominalskalierte Merkmale verwendet. Bei einer Nominalskala werden gleichwertig Antworten mit identischen Zahlenwerten versehen, sodass eine klassifikatorische Messstruktur entsteht. Das bedeutet, dass im Vorhinein Kategorien festgelegt werden müssen, zu denen mögliche Antworten zugeteilt werden. Jede Antwort muss in eine Kategorie passen und jede Kategorie muss einem bestimmen Wert in der Skala zugeordnet werden. Hierbei ist die Höhe des Zahlenwerts unwichtig, sofern dieser einheitlich umgesetzt wird. Beispiel:

Gestresst = 1

Oder

Gestresst = 50

Nicht gestresst = 2

Nicht gestresst = 100

Jetzt ist es wichtig, bei Erstellung von Fragen darauf zu achten, dass mögliche Antworten in die gewählten Kategorien passen. In dem folgenden Beispiel wird deutlich, dass alle Antworten (Merkmalsausprägungen), welche in eine dieser beiden Kategorien gehören, bei der Auswertung mit diesem Zahlenwert versehen werden:

Ich habe das Gefühl zu viel zu arbeiten = 1

Ich habe das Gefühl, keine Freizeit mehr zu haben = 1

Ich habe eine gute Work-Life-Balance = 2

oder

Ich habe das Gefühl zu viel zu arbeiten = 50

Ich habe das Gefühl, keine Freizeit mehr zu haben = 50

Ich habe eine gute Work-Life-Balance = 100

Bei der Erstellung von diesen Kategorien müssen folgende Bedingungen beachtet werden:

  • Genauigkeitskriterium: Kategorien müssen exakt definiert und Indikatoren aufgestellt werden, anhand welcher die Zugehörigkeit der Merkmalsausprägungen entschieden werden kann. Das bedeutet, dass man sich im Vorhinein überlegt, welche Merkmalsausprägung zu welcher Kategorie gehört. Es wird also z.B. festgelegt, dass die Antwort „Ich habe das Gefühl, keine Freizeit mehr zu haben“ zur Kategorie „Gestresst“ gehört.
  • Exklusivitätskriterium: Wichtig ist, dass Kategorien sich gegenseitig ausschließen: Über- und Unterkategorien sollten nicht vermischt werden. So entsteht z.B. eine Verwirrung unter den Teilnehmenden, wenn sie die Auswahl zwischen Schreiner, Dachdecker oder Handwerker haben, da Handwerker die Überkategorie darstellt. Auch sollten Synonyme in der Auswahl der Kategorien vermieden werden (z.B. Frisör oder Hairstylist), da die Teilnehmenden ansonsten verwirrt sind, zu welcher Kategorie sie sich zuordnen sollen.
  • Exhaustivitätskriterium: Jedes Untersuchungsobjekt sollte sich einer Kategorie zuordnen lassen. Gegebenenfalls sollte eine Kategorie mit „Sonstiges“ eingeführt werden, welche allerdings für die wissenschaftlichen Zwecke hinderlich ist, da sie nicht genau ausgewertet werden kann. Sollte die Kategorie dennoch als notwendig empfunden werden, ist darauf zu Achten, den Anteil der Untersuchungsobjekte, welche in diese Kategorie fallen, möglichst gering zu halten. z.B. Ich bin beschäftigt als
    • Arbeitnehmer
    • Arbeitgeber
    • Student
    • Schüler
    • Rentner
    • Arbeitssuchender
    • Sonstiges

(Vgl. Bortz / Döring (2006): S. 140)

Des Weiteren muss bei jeder Forschung darauf geachtet werden, dass die Gütekriterien (Objektivität, Reliabilität und Validität) gewährleistet sind. Genauer:

  • Objektivität: Bei der Durchführung, Auswertung und Interpretation ist auf eine möglichst objektive Sichtweise zu achten. Die Befunde sollten unabhängig von der Person sein, welche die Befragung durchführt. Bei der quantitativen Forschung ist die Auswertungsobjektivität auf Grund der standardisierten Fragen besonders hoch.
  • Reliabilität: Wenn bei einer wiederholten Messung eines Objektes unter den gleichen Bedingungen die gleichen Werte geliefert werden, ist die Zuverlässigkeit des Messinstruments besonders hoch. Um Reliabilität zu testen, bietet es sich an, eine von drei Methoden durchzuführen:
    • Test-Restest-Methode: Der Test wird nach einiger Zeit erneut durchgeführt. Hierbei wird angenommen, dass die Reliabilität besonders hoch ist, wenn identische Antworten geliefert werden. Problematisch ist hierbei, dass sich die Probanden an die gelieferten Antworten erinnern und so die Reliabilität ggf. überschätzt wird, weswegen die Test-Retest-Methode in der Praxis nur selten Anwendung findet.
    • Paralleltest-Methode: Bei dem Paralleltest werden zeitgleich Messungen mit zwei verschiedenen Messinstrumenten (z.B. ähnliche Tests) durchgeführt, um eine ähnliche Wirkung wie bei dem Test-Retest zu erhalten. Allerdings besteht hier die Schwierigkeit, zwei identische Messinstrumente zu finden, weswegen diese Methode eher ungebräuchlich ist.
    • Split-half-Reliabilität: Bei der Methode der Testhalbierung wird der Test halbiert und jeweils ein Mittelwert der Items ermittelt. Beide Mittelwerte werden miteinander verglichen, um so die Reliabilität zu errechnen. Die Halbierung des Test kann zufällig oder z.B. nach der Even-Odd-Methode (Grade Nummerierung der Items vs ungerade Nummerierung der Items) geschehen.
  • Validität: Ein Erhebungsinstrument wird dann als valide, also gültig, angesehen, wenn es misst, was es messen soll. Demnach ist die Validität das wichtigste Gütekriterium eines Fragebogens. Wichtig ist hierbei, dass die Gültigkeit sowohl intern, als auch extern gegeben ist. Das bedeutet, dass das Ergebnis sowohl eindeutig interpretiert werden kann als auch auf andere Situationen übertragbar ist. (Vgl. Raithel (2008): S. 44ff)

Methoden quantitativer Forschung

Bei der quantitativen Forschung wird meist die Methode der Befragung verwendet. Hierbei sind zwei verschiedene Arten der Befragung besonders beliebt:

  • Schriftlicher Fragebogen: Der Vorteil eines schriftlichen Fragebogens liegt darin, dass die Ergebnisse leicht ausgewertet werden können, sodass ein geringerer Zeitaufwand benötigt wird. Auch können größere Gruppen zeitgleich von einer Person befragt werden, ohne dass bei der Beantwortung der Fragen Zeitdruck herrscht. Nachteilig kann vor Allem bei per Fragebögen, welche per Post versendet oder im Internet durchführt werden die Tatsache sein, dass Befragte keine Rückfragen stellen können, falls Verständnisprobleme auftauchen. Auch können die Antworten durch andere Personen verfälscht oder der Fragebogen unvollständig ausgefüllt werden. (Vgl. Raithel (2008): S. 66)
  • Mündliche Befragung: Bei der mündlichen Befragung kann der Interviewer eine Kontrollfunktion übernehmen, um den Nachteilen wie Unvollständigkeit oder Beeinflussung durch andere Personen entgegenzuwirken. Als Nachteil wird hierbei allerdings gesehen, dass der Interviewer selbst Einfluss auf das Antwortverhalten haben kann, indem er durch ein vorurteilsbehaftetes oder ungepflegtes Erscheinungsbild negative Reaktionen hervorrufen könnte. Hierbei ist es wichtig, die Interviewer genau auszuwählen und zu schulen, um möglichen negativen Einflüssen entgegenzuwirken und ein freundlich-neutrales Auftreten zu gewährleiten. Hierzu gehört zum Beispiel die Wahl von professionellen oder neutralen Klamotten am Tag der Befragung und die Kenntnis über den Zweck der Befragung, um eventuelle Rückfragen beantworten zu können. ( Mayer (2009): S.100)

In dem Kapitel „Schritt für Schritt“ ist genauer erläutert, wie ein Fragebogen aufgebaut und ein Interview durchgeführt werden kann.