Schritt für Schritt

Schritt für Schritt

Die vorliegende Schritt-für-Schritt Anleitung ist in 9 Abschnitte gegliedert, welche bei der Planung einer quantitativen Arbeit relevant sind. Die Überprüfung der Gütekriterien ist hierbei kein einzelner Schritt, sondern sollte während des gesamten Prozesses berücksichtigt werden.

Planungsphase

Bereits in der Planungsphase ist es wichtig, das Thema und die Art der Forschung mit dem Betreuenden abzusprechen, damit die Studie optimal umgesetzt werden kann. Denn während der Planungsphase werden die Rahmenbedingungen der Studie geklärt, welche sich auf die Entscheidungen in den nachfolgenden Phasen auswirken. Zunächst ist abzuklären, wie viel Zeit für die Studie zur Verfügung steht, welche Mittel und Ressourcen benötigt werden und wieviel Vorwissen über empirische Forschungsarbeit und das Themengebiet der Studie bereits vorhanden ist.

Schauen Sie sich hierfür am besten die Beispiele und Übungen aus dem Modul „Planung einer wissenschaftlichen Arbeit“ an. Hier finden Sie auch einen Wochenplan, den Sie ausfüllen können.

Recherche und Sichtung von Literatur

Um eine Fragestellung formulieren zu können, ist es ratsam, sich zunächst mit der Forschungsliteratur vertraut zu machen. Lesen Sie sich in ihr Thema ein – sowohl in die Theorie als auch in die bereits vorliegenden Studien –, bevor sie sich für ein Themenfeld und eine Fragestellung entscheiden. Es ist zudem sinnvoll, sich in die Theorie der Forschungsmethoden einzulesen, um Entscheidungen über Vorgehen etc. zu treffen, die zu Ihrer geplanten Studie passen.

Ein Überblick über Methoden zur Literaturrecherche bietet das Modul „Literaturrecherche “.

Untersuchungsziel, Problemformulierung, Forschungsfrage

Zunächst erfolgt eine Problemformulierung, welche auf einem theoretischen Hintergrund basieren sollte. Aus dieser Problemformulierung folgen ein Untersuchungsziel und eine abgeleitete Fragestellung. Das Untersuchungsziel ist entweder

  • explorativ, also mit dem Ziel, neue Daten zu finden, da noch wenige Informationen bestehen. Dies geschieht z.B. durch ein offenes Gespräch oder freies Beobachten,
  • deskriptiv, bietet also eine möglichst genaue Beschreibung eines bereits bekannten Sachverhalts

oder

  • explikativ, das heißt erklärend. Hier werden bereits bekannte Sachverhalte nicht nur beschrieben (siehe deskriptiv), sondern weitestgehend auch erläutert.

Hierbei ist es wichtig, dass Sie das Problem möglichst klar und präzise formulieren, damit das Forschungsfeld realistisch eingegrenzt ist.

Theorie- und Hypothesenbildung

Nachdem das Forschungsfeld eingegrenzt wurde, sollten Sie eine Hypothese formulieren. Wichtig ist hierbei, dass die Hypothese sich auf eine durchdachte Theorie bezieht. Eine allgemeine Idee genügt nicht zur Hypothesenbildung, sondern sollte durch ein theoretisches Modell untermauert werden. Dies gilt vor Allem für zusammenhangsprüfende Untersuchungen (z.B. Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge), also deskriptive oder explikative Studien.

Konzeptualisierungsphase

Sobald Sie die Forschungshypothese aufgestellt haben, sollten die auftretenden Begriffe und Merkmale definiert werden. Siehe hierzu auch „Kennzeichen quantitativer Forschung“ im Basiswissen dieses Moduls. Zudem sollten folgende Punkte bearbeitet werden:

  • Erhebungsinstrument erstellen
  • Personengruppen festlegen
  • Zeitlichen Rahmen der Datenerhebung festlegen
  • Ggf. Vergleichs- oder Kontrollgruppe festlegen
  • Art der Stichprobe festlegen
  • Pretest

(Vgl. Raithel (2008): S.33ff)

Erhebungsinstrument

Überwiegend wird bei einer quantitativen Arbeit zwischen einem schriftlichen Fragebogen und einem mündlichen Interview gewählt. Beide Befragungsmöglichkeiten müssen sorgfältig erstellt und aufgebaut werden. Entscheiden Sie sich für diejenige Befragungsmöglichkeit, die Ihnen in Bezug auf ihre Forschungsfrage sinnvoll erscheint. Zudem sollten die in der Planungsphase erarbeiteten Rahmenbedingungen im Blick behalten und die Entscheidung mit ihrem Betreuer abgesprochen werden.

Der schriftliche Fragebogen

Bei der Erstellung eines Fragebogens sind drei Kriterien zu beachten:Formen von Fragen

Formen von Fragen

Es gibt offene, halboffene und geschlossene Fragen, welche in einem Fragebogen gestellt werden können. Unter Beispiel: Formen von Fragen finden sie entsprechende Visualisierungen.

  • Bei offenen Fragen muss der Befragte eigenständig eine Antwort formulieren. Dieser Fragentypus ist aufwendig auszuwerten, bietet sich allerdings bei explorativen Studien an, da mehr Informationen erfasst werden können.
  • Geschlossene Fragen haben eine höhere Vergleichbarkeit in der Auswertung und können als Mehrfachnennungen oder als Einzelnennungen gestaltet werden. Es bietet sich zudem an, ein Antwortfeld mit „Weiß ich nicht“ anzubieten, da ansonsten eine zufällige Antwort erzwungen werden könnte. Die geschlossenen Fragen können zum Beispiel mit einer Antwortskala (z.B. 1-5 oder 1-6) versehen werden, wobei ersteres eine ungünstig auszuwertende Mittelkategorie beinhaltet, letztere jedoch zu einer „Positionierung zwingt“. Eine Empfehlung für eine grade oder ungrade Skalierung kann deswegen nicht gegeben werden.
  • Halboffene Fragen haben zusätzlich zu den vorgegebenen Antworten ein Feld mit „Sonstiges:“, bei dem der Befragte eine Eintragung vornehmen kann. Es wird auf Grund der Vergleichbarkeit davon abgeraten, zu viele halboffene Fragen einzubauen.

Formulierung der Fragen

Wichtig ist, Fragen so präzise wie möglich zu formulieren, um eindeutige Ergebnisse zu erhalten. Bei geschlossenen Fragen ist es zudem ratsam, diese positiv zu formulieren, da es ansonsten zur Verwirrung bei der Beantwortung kommen kann (Beispiel: Ich bin nicht oft traurig – „trifft voll zu“ bis „trifft nicht zu“). Als Faustregel für die Formulierung von Fragen gilt: Finden Sie einfache Worte, seien Sie kurz und konkret! Achten Sie zudem darauf, dass die Frage eindimensional, also eindeutig ist. („Fahren Sie gerne und schnell Auto?“ Sollte zu zwei Fragen formuliert werden!)

Aufbau des Befragungsinstruments

Beim Aufbau des Fragebogens müssen zwei verschiedene Aspekte betrachtet werden: Die inhaltliche Gestaltung, also die Konstruktion, und die optische Aufbereitung, also das Layout.

  • Konstruktionskriterien: Es ist sinnvoll, den Fragebogen nach Themenbereichen aufzuteilen und nacheinander abzufragen, anstatt die Fragen an unterschiedlichen Stellen einzubauen, da dies häufiger zu Verwirrung unter den Befragten, als zu einem Kontrolleffekt führt. Zudem sollte der Fragebogen zunächst mit einfach zu beantwortenden Eröffnungsfragen beginnen. Im zweiten Drittel sollten auf Grund der abnehmenden Aufmerksamkeit die wichtigsten Fragen gestellt werden, bevor am Schluss des Fragebogens ggf. sozialstatistische Angaben (z.B. Geschlecht, Wohnort, Familienstand) abgefragt werden. Der Aufbau der Themenblöcke sollte vom Allgemeinen zum Besonderen führen. Sofern nicht alle Themenblöcke auf die Befragten zutreffen, können sogenannte Filterfragen eingebaut werden. Sie vermindern die Bearbeitungszeit, sofern sie ausreichend gekennzeichnet sind.

Beispiel:

Sind Sie an einer Universität immatrikuliert?

Ja ---> Frage 1.1 Nein ---> Frage 2.1

  • Layout: Der Fragebogen sollt einfach auszufüllen sein und die Filterfragen ausreichend gekennzeichnet werden. Alle Antwortmöglichkeiten zu einer Frage sollten auf eine Seite passen, da sonst Antwortmöglichkeiten übersehen werden könnten. Auf der ersten Seite sollte sich zudem ein Deckblatt befinden, welches den Befragten über die Freiwilligkeit der Studie informiert, sowie auf die Anonymität und die vertrauliche Behandlung der Daten hinweist. Auch bei einem online Fragebogen sollte ein solcher Einleitungstext verfasst werden. Bei einer per Post durchgeführten Befragung ist es zudem wichtig, einen Briefkopf mit Kontaktdaten für eventuelle Rückfragen einzufügen. Die letzte Seite des Fragebogens sollte mit einer Dankesformel abschließen und Platz für Anmerkungen bieten. Es ist zudem ratsam, den Fragebogen möglichst großzügig anzulegen, um die subjektive Bearbeitungszeit zu verkürzen, da eine schnelle Bearbeitung mehrerer Seiten ein Erfolgsgefühl vermittelt und die Kooperationsbereitschaft fördert. Generell sollten Sie darauf achten, dass der Fragebogen möglichst übersichtlich gestaltet ist. Er sollte zudem selbsterklärend sein, sodass er (ggf. von anderen Forschern) zu einem späteren Zeitpunkt nachvollzogen werden kann. (Vgl. Raithel (2008): S.65ff)

Das mündliche Interview

Das mündliche Interview ist bei einer quantitativen Forschung standardisiert. Es ist demnach ein stark strukturierter Fragebogen, bei dem die Fragen durch den Interviewer vorgelesen werden. Es ist sinnvoll, die Antwortmöglichkeiten nicht vorzugeben, sondern anhand der gegebenen Antwort das entsprechende Item zu markieren. Vorteil eines Interviews gegenüber einem schriftlichen Fragebogen ist unter anderem, dass keine Verfälschung durch andere Personen vorgenommen werden können. Ein möglicher Nachteil könnte die Auswirkung des Interviewers auf das Antwortverhalten des Befragten haben. Sollten Sie sich für ein mündliches Interview entscheiden, ist es wichtig, dass geeignete Interviewer ausgesucht und geschult werden. Dieser sollte keine persönlichen Stellungnahmen während des Interviews abgeben und zu jeder Zeit des Interviews wissen, was er zu sagen hat. Eine genaue Durchsicht des Fragenkatalogs mit den Interviewern ist demnach ausschlaggebend für die Validität des Interviews. Natürlich können Sie selbst auch der Interviewer sein oder sich die Arbeit mit anderen teilen!

(Vgl. Mayer (209):S. 100f)

Art der Stichprobe

Die Art der Befragung ist abhängig von den Rahmenbedingungen der Studie. Bei einer Vollerhebung werden alle Merkmalsträger befragt, wohingegen bei einer Teilerhebung eine stichprobenartig befragt wird. Letztgenanntes ist günstiger und weniger zeitintensiv als eine Vollerhebung. Bei der Auswahl der Stichprobe können drei verschiedene Verfahren unterschieden werden.

  • Willkürliche Auswahl: Bei einer willkürlichen Auswahl werden freiwillige Probanden unterschiedlicher Merkmale befragt. Hierdurch können Zusammenhangshypothesen geprüft werden, weshalb diese Auswahl bei psychologischen Tests besonders häufig vorkommt.
  • Bewusste Auswahl: Die Kriterien der bewussten Auswahl sind überprüfbar, hierbei werden Merkmalsträger (extreme Fälle, typische Fälle, Experten) bewusst ausgesucht. Auch das Quotaverfahren fällt unter die bewusste Auswahl, bei der der Interviewer eine bestimmte Anzahl an Merkmalsträgern (z.B. nach Geschlecht) befragen muss, damit eine Quote erfüllt wird und die Verteilung der Befragten gleichmäßig ist. (Vgl. Mayer (2009): S. 63)
  • Zufallsauswahl: Bei der Zufallsauswahl kann am ehesten gewährleistet werden, dass die Stichprobe die Grundgesamtheit widerspiegelt. Hierbei werden aus allen Merkmalsträgern die Befragten zufällig ausgewählt, ohne dass im Vorhinein eine Selektion unter den Merkmalsträgern stattfindet, was den Unterschied zur willkürlichen Auswahl darstellt.

Wie viele Probanden befragt werden, kommt auf die Rahmenbedingungen der Arbeit an. Es ist allerdings sinnvoll, mindestens 10 Probanden pro Merkmal (z.B. 10 Studierende, 10 Arbeitnehmende, 10 Arbeitgebende..) zu befragen, um die Anonymität dieser und die Validität der Studie zu sichern.

(Vgl. Raithes (2008): S. 54ff)

Erhebungsvorbereitung und Datenerhebung

Bei der Vorbereitung für die Datenerhebung ist es wichtig, alle bisherigen Schritte zu erneut überprüfen und ggf. nachzuholen. Sollten Jugendliche befragt werden, müssen Einverständniserklärungen und Genehmigungen eingeholt werden, bei einer Befragung mit Erwachsenen müssen diese durch Aushänge oder Briefe informiert werden. Es kann zudem hilfreich sein, durch einen Begleittext ggf. das Interesse zu wecken, damit möglichst viele Probanden teilnehmen. Zudem sollte ein Zeitplan der Befragung erstellt werden, damit diese in möglichst kurzem Abstand durchgeführt werden, um die Wahrscheinlichkeit einschneidender Ereignisse (z.B. Einführung von hohen Studiengebühren was zu weniger Studierenden führen könnte) zu verringern, welche das Ergebnis beeinflussen könnten.

Datenanalyse

Sobald Sie die Daten erhoben und aufbereitet (z.B. ungültige Fragebögen heraussortiert) haben, können Sie mit der Analyse dieser beginnen. Welche Art der Analyse sie verwenden, hängt von der Art der Befragung und ihrem technischen Know-How ab. Lesen Sie sich in die verschiedenen Möglichkeiten der Datenaufbereitung und -analyse ein oder holen Sie sich ggf. Hilfe von einem Experten.

Interpretation

Nachdem Sie alle Daten analysiert haben, können sie mit der Interpretation dieser beginnen. Wichtig ist hierbei ein reflektierter Umgang mit den Daten und ggf. die Durchführung einer Fehleranalyse. Sollten die Daten ihre Hypothese nicht bestätigen, gilt es, einen Ausblick zu verfassen, in dem herausgestellt wird, was der Grund dafür sein könnte oder in welche Richtung weitergeforscht werden müsste.

(Vgl. Raithes (2008): S. 29f)