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Schritt für Schritt

Die folgenden Schritte sind Verallgemeinerungen, welche nicht auf jedes Protokoll zutreffen. Sie sollten die Anforderungen und Richtlinien auf jeden Fall mit Ihrem Assistenten/Ihrer Assistentin absprechen.

1. Vorbereitung

Ein gutes Protokoll beginnt im Labor. Bei der Durchführung des Forschungsunterfangens ist eine detaillierte Führung des Laborjournals wichtig. Hierbei sind nicht nur Einwaagen, Reaktionszeit und Temperaturangaben zu notieren, sondern auch Beobachtungen wie Farbverläufe und Gasentwicklungen. Möglicherweise bietet sich hier auch die Aufnahme von Bildern für das Protokoll an, was Sie mit Ihrem Assistenten/Ihrer Assistentin absprechen sollten. Ebenfalls kann bereits bei der Einarbeitung in das Thema eine kleine Zusammenfassung des Gelernten mit Quellenangaben das Schreiben des Protokolls später vereinfachen. Erste Absprachen zum Protokoll sollten ebenfalls im Praktikumszeitraum getroffen werden. Vergewissern Sie sich, dass Sie die folgenden Fragen beantworten können:

  • Wann ist die Abgabe/sind die Abgaben (Deadlines)?
  • Welche Abgabe ist die benotete Abgabe?
  • Welche Inhalte sollen in der Theorie behandelt werden?

2. Schreiben

Auch wenn Sie im Labor genaue Notizen gemacht haben, sollten Sie möglichst wenig Zeit vor der Erstellung des Protokolls verstreichen lassen. Achten Sie hier besonders darauf ausreichend Zeit vor der Abgabe für Überarbeitungen einzuplanen. Ein Aufschub der Abgabe ist in den meisten Fällen nicht möglich und kann nur auf Grund von Härtefällen beantragt werden. Sollte ein solcher eintreten, melden Sie sich rechtzeitig bei Ihrem Praktikumsleiter/Ihrer Praktikumsleiterin und den betroffenen Assistenten.

Die folgenden Abschnitte beschreiben jeweils Teile eines typischen Protokolls. Die Namen dieser Teile variieren stark und bisweilen werden Sie diese in abgewandelter, spezieller auf das Fachgebiet angewendeter Form antreffen, wobei auch Aufspaltungen oder Zusammenführungen von Kapiteln gewünscht sein können. In der Regel beinhalten diese Kapitel eine Reihe von Unterkapiteln, welche die Lesbarkeit des Protokolls erhöhen.

Titelblatt

Das Titelblatt enthält alle wichtigen Angaben zu Ihnen und dem Praktikum. Neben dem Titel der Arbeit als Überschrift enthalten die Unterüberschriften folgende Punkte:

Zeitraum: Modulabkürzung und Semester/Praktikumszeitraum

Praktikanten/Praktikantinnen: Name, Martrikelnummer und Emailadressen der Verfasser des Protokolls sowie Gruppennummer, falls gegeben.

Assistent/Assistentin: Angabe des Namens und Arbeitskreis des Assistenten/der Assistentin

Manchmal wird eine zusätzliche Zeile auf dem Deckblatt verlangt, in der ein Unterschriftfeld zum Abzeichnen der Abgabe und das Abgabedatum eingetragen wird (N.N. 2012).

Verzeichnisse

Ein Protokoll enthält immer ein Inhaltsverzeichnis am Anfang des Protokolls und ein Literaturverzeichnis am Ende. Das Inhaltsverzeichnis sollte sowohl die Kapitelnummerierung als auch Seitenzahlen enthalten. Demnach sollten Sie mit Ausnahme des Titelblatts Ihre Seiten nummerieren. Stellen Sie vor der Abgabe sicher, dass diese Nummerierung aktuell ist. Das Literaturverzeichnis wird zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert (siehe unten). Weitere Verzeichnisse zu Abkürzungen, Abbildungen und Tabellen können verlangt sein. Klären Sie dies und die Einordnung in das Protokoll mit Ihrem Assistenten/Ihrer Assistentin ab.

Einleitung

In der Einleitung wird das Thema genannt und kurz (möglichst unter Verwendung von Quellen) die Relevanz des untersuchten Systems, der Reaktion, der Beobachtung oder der gemessenen Parameter für das Forschungsfeld oder die industrielle Anwendung erläutert. Wichtig ist für den Leser eine Fragestellung zu etablieren, die im Laufe des Protokolls behandelt und im Schlussteil beantwortet wird.

Theoretischer Teil

Der theoretische Teil (oft Stand der Forschung genannt) sollte alle nötigen Grundlagen für die wissenschaftliche Arbeit beinhalten. Sie sollten sich allerdings in Ihren Ausführungen beschränken und einen fachkundigen Leser annehmen. Dieser Teil behandelt nicht das gesammelte Wissen für dieses Fachgebiet, sondern vielmehr die im Verlauf der Arbeit verwendeten Gleichungen mit ihrer Bedeutung für die Versuche, erläutert die verwendeten Messmethoden und ordnet Ihre Reaktion/Ihr Produkt möglichen Anwendungen zu. Die vorliegende Arbeit soll in diesem Teil in der wissenschaftlichen Literatur verankert werden und dem Leser beim Verständnis helfen. Achten Sie besonders auf die Verwendung von Quellen; neben Lehrbüchern für die Grundlagen auch Primärliteratur wie Zeitschriftenartikel und Patente.

Tipp: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie unnötige Trivialitäten erklären, versuchen Sie das Protokoll durch die Augen eines Kommilitonen Ihres Semesters zu sehen, der sich mit dem vorliegenden Thema nicht so detailliert beschäftigt hat. Alternativ suchen Sie sich einen Kommilitonen/eine Kommilitonin und eröffnen Sie ihm/ihr das Thema durch ihren Text.

Experimenteller Teil

Der experimentelle Teil des Protokolls beinhaltet alle Angaben zum Versuch/der Messung: Einwaagen, Mess- und Versuchsparameter sowie Angaben zu den verwendeten Reaktanden und Lösungsmittel. Sofern nicht im theoretischen Teil erwähnt, sollten ebenfalls Angaben zu den genutzten Geräten gemacht werden. Oft werden diese Angaben in einem Zwischenkapitel als „Material und Methoden“ eingeschoben, bevor die Experimente beschrieben werden.

In diesem Teil ist besonders auf die Einhaltung einer wissenschaftlichen Ausdrucksweise zu achten, da bei der Beschreibung der Laborarbeit schnell Laborjargon in die Schriftsprache übernommen wird. Siehe hierzu die Kapitel Sprache & Stil sowie Beispiele und Übungen.

Auswertung und Diskussion

In der Auswertung werden die Ergebnisse dargelegt und anschließend ausführlich diskutiert. Oft werden zwei getrennte Kapitel hierfür verwendet. Eine Diskussion vergleicht das erhaltene Ergebnis mit der Literatur und dem im Vorfeld erwarteten Ergebnis. Eine ausführliche Diskussion beinhaltet ebenfalls die Nennung von möglichen Ungenauigkeiten und aufgetretenen Herausforderungen, die das Ergebnis beeinflusst haben könnten. Ausreißer in Datensätzen und Fehlschläge in der Synthese sind hierbei transparent und genauso detailliert zu behandeln wie positive Ergebnisse. In der Diskussion zeigen Sie, dass Sie das Thema verstanden haben, Zusammenhänge erkennen und Ihre Grenzen einschätzen können. Scheuen Sie sich nicht nach eigener Analyse noch offene Fragen mit Ihrem Assistenten/Ihrer Assistentin zu diskutieren.

Schlussteil

Der Schlussteil greift noch einmal auf die Einleitung zurück und beantwortet die Fragestellung prägnant auf Grundlage der Diskussion. Ein Ausblick auf mögliche Änderungen im Aufbau oder Ablauf, Weiterführung des Themas oder Anwendungen sind oft erwünscht und bieten sich besonders nach der Überwindung von (unerwarteten) Herausforderungen im Labor an.

Literatur

Das Literaturverzeichnis beinhaltet Verweise auf die gesamte von Ihnen für die Erstellung des Protokolls verwendete Literatur. Neben Lehrbüchern und Übersichtsartikeln sind Zeitschriftenartikel und Patente die gängigen Literaturquellen in der Chemie. Gerade hier gibt es einige Unterschiede im Stil der Literaturangaben, da einzelne Arbeitsgruppen sich oft an von ihnen häufig gelesenen Zeitschriften orientieren. Die Zitierweisen dieser Zeitschriften sind auf deren Homepages unter Autorenrichtlinien zu finden.

Für eine frei zugängliche und allgemeine Übersicht empfiehlt sich der Blick in das TNT 59 der Fachschaft Chemie der TU Darmstadt mit dem Artikel „Richtig Zitieren – Warum? Was? Wie?“. Die Verwendung von Literaturverwaltungssoftware wie Endnote oder Citavi wird empfohlen. Mehr hierzu finden sie auf der Seite der ULB.

Anhang

Die meisten Protokolle enthalten einen Anhang, in dem zum Beispiel Messergebnisse in Form von Tabellen oder Spektren/Diffraktogrammen dargestellt werden. Achten Sie ebenfalls im Anhang auf Rechtschreibung und Textform. Der Anhang soll genauere Informationen zu Ihrer Laborarbeit beinhalten, die im Haupttext den Fluss des Protokolls unnötig unterbrechen würden. Trotzdem ist er Teil Ihres Protokolls und sollte mit gleicher Sorgfalt erstellt werden.

3. Überarbeitung

Vor der Abgabe beim Assistenten/der Assistentin sollte das Protokoll möglichst Korrektur gelesen werden. Hierbei kommt es nicht nur auf Rechtschreibung und die Einhaltung formeller Richtlinien an, sondern auch auf den logischen Aufbau und die Aussagekraft des Protokolls. Mehr zum Thema Überarbeitung finden sie hier.

Eigene Überarbeitungsschritte

Zunächst sollten sie ihr Protokoll selbst noch einmal lesen. (Es empfiehlt sich, den Text nach Fertigstellung ein paar Tage liegen zu lassen, um Betriebsblindheit zu überwinden.) Wenn Sie einen Text überarbeiten, lohnt es sich, zunächst auf den Inhalt zu achten und dann auf die Details wie Rechtschreibung und Formatierung. Drucken Sie sich den Text aus: Oft ist es einfacher, Fehler in gedruckten Texten zu erkennen, als sie am Monitor zu suchen.

  • Beginnen Sie die Überarbeitung des Textes nicht direkt, sondern schlafen Sie darüber.
  • Lesen Sie Einleitung und Schlussteil hintereinander und suchen Sie nach ihrer Fragestellung und der Beantwortung im Schlussteil.
  • Fragen Sie sich, ob der gerade gelesene Absatz für das Protokoll relevant ist oder vielleicht sogar eine Wiederholung darstellt.
  • Prüfen Sie, ob besonders im theoretischen Teil die Sätze miteinander logisch verknüpft sind, oder wie eine Aufzählung von ausformulierten Stichpunkten wirkt.
  • Sollten Sie selbst an einer Stelle ins Stolpern kommen, liegt hier möglicherweise ein unklarer Begriff oder eine schwammige Definition vor.
  • Achten Sie auf Rechtschreibung, Grammatik und Formalien wie die durchgehende Nummerierung der Seiten und die Verteilung von Abbildungen, Tabellen und Texte auf die Seiten.

Einholen anderer Meinungen

Sollten Sie einen Praktikumspartner haben, schicken Sie diesem mit ausreichend Zeit (er/sie muss das Protokoll lesen können) das Protokoll und mögliche Fragen Ihrerseits zu. Sind Sie alleine im Praktikum, finden Sie einen Kommilitonen/eine Kommilitonin und bieten Sie im Gegenzug dieselbe Hilfe an.

Sie können zu unseren Öffnungszeiten mit Textbausteinen und Fragestellungen zur Schreibberatung vorbei kommen. Wir helfen ihnen auch gern bei den zuvor beschriebenen Schritten.