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Sprache und Stil

Praktikumsprotokolle sollten den Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit entsprechen. In diesem Abschnitt werden diese kurz erklärt und mögliche Stolpersteine benannt. Korrekte Rechtschreibung und Grammatik werden in Protokollen voraus gesetzt.

Sprache

Sprachstil in den Naturwissenschaften

Der wissenschaftliche Sprachstil ist kurz und unmissverständlich. Um die Kriterien für einen wissenschaftlichen Bericht zu erfüllen (siehe Basiswissen), bedarf es Übung. Die Verwendung von verschachtelten Sätzen und vielen Fachbegriffen ist kein Indiz für einen guten wissenschaftlichen Schreibstil. Im Gegenteil sollten Sie präzise, möglichst kurze Sätze verwenden. Wissenschaftliche Texte enthalten keine Füllwörter (eigentlich, ja, irgendwie, quasi, natürlich, echt…). Sie erkennen diese Worte daran, dass der Satz durch ihre Streichung dieselbe Aussage behält. Vermeiden Sie ebenfalls Wertungen der Ergebnisse (gut, schön, schlecht, …), da diese die Aussage relativieren und eine den Ergebnissen innewohnenden Wert vortäuschen.

Bei der Erstellung des Protokolls ist die auktoriale Perspektive („Ich habe…“) zu vermeiden. Stattdessen wird stets eine distanzierte Perspektive gewählt. Gerade in der Beschreibung von Laborvorgängen ist darauf zu achten, dass die Verwendung von Pronomen wie „man“ keine gute Alternative darstellen. Stattdessen wird dieser Teil im Passiv gehalten. Statt „Man legt 300 mg Edukt A vor.“ wird „300 mg Edukt A werden vorgelegt.“ geschrieben. Zu beachten bei der Nennung von Chemikalien im experimentellen Teil ist, dass diese im Deutschen keinen Artikel tragen. Während die Versuchsvorschrift im Präsens geschrieben wird, werden Ergebnisse im Präteritum verfasst.

Fachsprache, Fachjargon und Fremdwörter

Bei der Erstellung des Protokolls sollte vom im Labor vorherrschenden Fachjargon Abstand genommen werden. Unter Beispiele & Übungen sind einige gängige Fehler aufgezählt. Zu diesen gehören auch unnötige Anglizismen und falsche Übersetzungen aus dem Englischen, die Einzug in die Labore gehalten haben.

Fachbegriffe, die aus einer anderen Sprache als der Textsprache entliehen sind, werden im Text kursiv gesetzt. Viele Fachbegriffe werden in MS Word nicht erkannt und können daher nicht getrennt werden. Da die Texte im Blocksatz verfasst werden, führt dies zu Lücken im Text. Um solche zu vermeiden, können in Fremdwörtern optionale Trennungen eingeführt werden (MS Word: Strg.-Bindestrich, LATEX: \-).

Abkürzungen

Abkürzungen sind in wissenschaftlichen Texten fast unumgänglich. Neben einem Abkürzungsverzeichnis ist eine Definition von verwendeten Abkürzungen im Text ratsam. Hierbei wird bei der ersten Benutzung zunächst der Begriff ausformuliert und in Klammern die Abkürzung genannt. Anschließend kann die Abkürzung im weiteren Text verwendet werden. Dies gilt auch für gängige Abkürzungen wie die Bezeichnung von Analysemethoden. Die Verwendung von Abkürzungen in Überschriften sollte möglichst vermieden werden oder zumindest keine Definition von Abkürzungen auf diese Weise gegeben werden.

Die deutsche Sprache bietet eine Reihe von Regeln, welche fast nur im wissenschaftlichen Gebrauch zum Tragen kommen. Zu diesen gehört, dass der Punkt als Satzzeichen entfällt, wenn ein Satz mit einer Abkürzung endet, die einen Punkt hat.

Abbildungen

Protokolle in der Chemie beinhalten oft eine Reihe von Abbildungen. Neben Reaktionsschemata werden Sie vermutlich Bilder von Apparaturen, erklärende Darstellungen und Diagramme in Ihr Protokoll aufnehmen. Abbildungen werden nummeriert und mit einer Bildbeschreibung unter dem Bild versehen. Die Beschreibung kann unterschiedlich detailliert verlangt sein, endet aber immer mit einem Punkt. Achten sie darauf, dass die Grafik eine ausreichende Auflösung hat und enthaltener Text gut lesbar ist. Sollten Sie die Abbildung nicht selbst erstellt haben, geben Sie ihre Quelle an. Verweisen Sie im Text stets vor der Abbildung auf diese. Abbildungen werden nicht vom Text umgeben sondern erhalten eigene Zeilen.

Reaktionsgleichungen und Reaktionsschemata

Reaktionsgleichungen sollten ausgeglichen sein. In Summenformeln sind die Indizes tiefgestellt, Ladungen und Ordnungszahlen sind hochgestellt. Bei Reaktionsschemata sollte darauf geachtet werden, dass Sie in sich konsistent sind und die richtigen Pfeile verwendet wurden. Die Strukturformeln sollten möglichst über das gesamte Protokoll im gleichen Maßstab sein, der so gewählt wird, dass alle Abbildungen leserlich sind. Unnatürliche Winkel von Bindungen sollten vermieden werden. Strukturformeln können nach ihrer Nennung im Text über eine Zahl miteinander verknüpft werden. Die Zahl wird hierbei fett gedruckt unter der Strukturformel und in runden Klammern hinter der Nennung im Text genannt. Im Text steht eine allgemeine Bezeichnung des Moleküls (z.B.: Ether 1) mit dieser Nummer für das Molekül der entsprechenden Strukturformel. Die Nummerierung wird chronologisch dem Verlauf des Protokolls entsprechend vorgenommen, während dem Zielmolekül jedoch immer die 1 zugeordnet ist.

Tabellen

Im Gegensatz zu Abbildungen werden Tabellen überschrieben. Die Tabellenbeschreibung endet ebenfalls mit einem Punkt. Achten Sie auf eine leserliche Schriftgröße. Verweisen Sie im Text stets vor der Tabelle auf diese. Die Tabelle wird nicht mit Text umgeben sondern zentriert in einer eigenen Zeile eingefügt.

Zitate

Von Ihnen aus der Literatur übernommene Ideen und Werte sind mit einem Zitat zu versehen. In der Regel sind Internetseiten, besonders Wikipedia, als Quellen nicht angemessen. Können Sie die Zitierung einer Internetseite (vollständiger Link) nicht vermeiden, dann achten Sie auf eine zusätzliche Angabe des Abrufdatums und eines Autors, wenn möglich. Üblicherweise wird in den Naturwissenschaften paraphrasiert. Wörtliche Zitate sind eher selten.

Zitate werden meist durch hochgestellte Zahlen oder Zahlen in eckigen Klammern kenntlich gemacht und erst am Ende des Protokolls gesammelt aufgelistet. Hierzu siehe die Angaben unter Schritt für Schritt zum Literaturverzeichnis. Das Zitat sollte möglichst nah an der entliehenen Aussage, spätestens am Absatzende folgen. Bei der Wiedergabe von wörtlichen Zitaten oder Zahlenwerten ist die Angabe direkt im Anschluss durchzuführen.

Formeln, Zahlen und Einheiten

Messwerte und andere Zahlen sollten mit ihrer Einheit angegeben sein. Dabei ist zwischen der Zahl und der Einheit ein geschütztes Leerzeichen (MS Word: Strg.-Umschalt.-Leerzeichen; Bindestriche lassen sich ebenfalls schützen! LATEX: ~) zu setzen. Ausnahme hiervon bildet lediglich das Gradzeichen bei Winkeln. Als Einheit sind SI-Einheiten oder andere übliche Einheiten zu verwenden. Das Dezimalzeichen in deutschen Texten ist ein Komma (1,5 nicht 1.5). Messwerte sind auf eine sinnvolle Genauigkeit zu runden. Das Minuszeichen ist ein Gedankenstrich (MS Word: Strg.-Bindestrich) und damit länger als der Bindestrich.

Bei Formelzeichen werden Variablen im Text kursiv gesetzt, während Konstanten in normalen Schriftzeichen ausgedrückt werden. Indizes sind tiefgestellt und sollten wie die Formelzeichen im Text definiert sein. Wenn möglich ist von einer doppelten Verwendung von Formelzeichen abzusehen. Formeln werden in der Regel in runden Klammern am rechten Rand nummeriert.