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Schritt für Schritt

Das Anfertigen einer wissenschaftlichen Arbeit erfolgt in mehreren Schritten. Limburg/Otten nennen dazu 13 Schritte, die allerdings auch in die folgenden sechs Phasen zusammengefasst werden können (vgl. Limburg/Otten, 2011, S. 18-21; vgl. Esselborn-Krumbiegel, 2008, S. 18):

  • Rahmenbedingungen
  • Orientierung
  • Recherche
  • Struktur
  • Rohfassung
  • Überarbeitung

In diesem OWL sprechen wir jedoch von sieben Phasen, da die Abgabe als letzte Stufe ebenfalls einen wichtigen Schritt zu einer erfolgreichen Arbeit darstellt. Abbildung 1 stellt diese Phasen als aufeinander bauende Stufen einer wissenschaftlichen Arbeit dar. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass diese Stufen ineinander übergehen und klare Übergänge nur selten ersichtlich sind. Die hier vorgestellten Stufen stellen lediglich einen Weg zur wissenschaftlichen Arbeit dar. Es bleibt Ihnen überlassen, diesen zu gehen oder Ihre eigene Arbeitsweise zu bevorzugen.

Abbildung 1: Die 7 Stufen einer wissenschaftlichen Arbeit (vgl. Limburg/Otten, 2011, S. 18-21;vgl. Esselborn-Krumbiegel, 2008 S. 18, eigene Abbildung)
Abbildung 1: Die 7 Stufen einer wissenschaftlichen Arbeit (vgl. Limburg/Otten, 2011, S. 18-21;vgl. Esselborn-Krumbiegel, 2008 S. 18, eigene Abbildung)

1. Rahmenbedingungen

Auf der Stufe der Rahmenbedingungen sollten Sie sich mit den grundlegenden Anforderungen für Ihre Arbeit auseinandersetzen. Ihr Betreuer und auch die Prüfungsordnung geben Ihnen hierbei bereits wichtige Informationen, wie beispielsweise die erforderliche Seitenzahl, Zeitvorgaben, Zitierrichtlinien und Format der Arbeit. Machen Sie sich auf dieser Stufe auch mit der Betreuungssituation vertraut. Früh zu wissen, ob und wie der/die Betreuer/-in bei Fragen erreichbar ist, wird sich später auszahlen.

Bei den Zeitvorgaben sind nicht nur das Abgabedatum sondern auch eventuelle Zwischenberichte zu beachten. Eine wichtige Rahmenbedingung, die Sie bereits zu Beginn des Schreibprozesses klären sollten, sind die Zitierrichtlinien des Fachgebiets, an dem Sie die Arbeit verfassen. Da es viele verschiedene Richtlinien gibt, unterscheiden sich einige Fachgebiete hier sehr stark. Die größten Unterschiede finden sich in der Zitierform mit Fußnoten im Vergleich zu Zitaten im Text. Fachgebiete geben häufig genaue Zitierrichtlinien heraus. Sollte dies nicht der Fall sein, sprechen Sie mit dem/der Betreuer/-in und beachten Sie, dass Sie, egal welche Form Sie wählen, diese einheitlich und konsequent nutzen.

Als nächstes sollten Sie Ihre persönlichen Rahmenbedingungen klären. Schaffen Sie sich Zeit und Raum zum arbeiten. Hierzu ist es beispielsweise möglich, einen bestimmten Platz in der Bibliothek oder zuhause – z.B. den Schreibtisch – auszuwählen, der für Sie eine arbeitsfördernde Atmosphäre bereitet. Zeit können Sie sich besonders auch durch einen Arbeitsplan schaffen und einteilen. Hierbei werden feste Termine für Meilensteine aufgelistet und die anfallenden Aufgaben dazwischen so verteilt, dass genug Zeit verbleibt, diese zu erfüllen. Achten Sie hierbei auch auf Pufferzeiten! Für weitere Erläuterungen zum Thema Zeitmanagement besuchen Sie gerne unsere Sprechstunden oder einen unserer Workshops.

2. Orientierung

Der Zweck dieser Stufe ist die genaue Festlegung auf das Ziel Ihrer Arbeit und den Weg, der Sie dorthin bringt. Dazu sollte das Thema so weit wie möglich eingegrenzt und eine präzise Fragestellung erarbeitet werden. Die Fragestellung sollte auf jeden Fall nochmals mit dem Betreuer/der Betreuerin besprochen werden, da diese die Richtung der folgenden Arbeitsschritte definiert! Um sich im Thema orientieren und es dann eingrenzen zu können, ist es notwendig, dass Sie sich bereits hier einen ersten Überblick über die Literatur zu Ihrem Thema verschaffen. Sie werden bemerken, dass es zu Beginn sehr viel mehr Literatur gibt, als Sie bewältigen können. Sobald Sie jedoch in Ihrer Fragestellung präzise genug sind, wird sich auch die Literatur auf die für Sie relevanten Titel reduzieren.

Eine Möglichkeit, die Stufe der Orientierung zusammenzufassen, ist ein Exposé zu verfassen. Es ist eine ausformulierte Planung der Arbeit und kann Ihnen dabei helfen, Ihr Forschungsvorhaben sich selbst aber auch Ihrer Betreuerin strukturiert darzustellen. Weitere Hinweise zum Exposé finden Sie im OWL Exposés schreiben.

3. Recherche

Für eine Literaturarbeit ist die Recherche unabdingbar. Ziel ist hierbei, bisherige Methoden, Modelle und Grundlagenwissen aus der Fachliteratur zusammenzutragen und zu verarbeiten. Im OWL Literaturrecherche können Sie die einzelnen Schritte zur Recherche nachlesen. In diesem OWL werden vor allem die in den Wirtschaftswissenschaften üblichen Journals sowie Suchmaschinen und -orte erklärt.

Veröffentlichte Artikel in Fachzeitschriften sind in den Wirtschaftswissenschaften das anerkannteste Medium zur Kommunikation. Journals werden hierzu nach Ihrer Qualität in verschiedene Kategorien – A+, A, B, C – gerankt. Rankinglisten finden Sie im Internet oder können Sie bei den Betreuern der Arbeit erfragen. Achten Sie beim Umgang mit gerankten Zeitschriftartikeln darauf, möglichst viele A und A+ Artikel zu nutzen. Artikel mit dem Ranking C oder niedriger sollten nicht als Hauptquellen genutzt werden – es sei denn, der/die Betreuer/-in sagt dem zu.

Oftmals stellt sich die Frage, wo Literatur gefunden werden kann. Die Bibliothek ist hierfür eine sehr gute Anlaufstelle, da Sie räumlich konzentriert sehr viel hochwertige Literatur bieten kann. Doch gerade in den Wirtschaftswissenschaften werden immer mehr Fachartikel online veröffentlicht. Daher werden Suchmaschinen, wie Google Scholar und das Datenbank-Infosystem DBIS, sowie die Elektronische Zeitschriftenbibliothek EZB immer wichtigere Rechercheportale. Ein weiterer Vorteil bei elektronischen Suchmaschinen ist, dass Quellenangaben direkt in Programme wie Citavi oder Endnote gespeichert werden können.

Die Recherche wird Sie noch bis zur Überarbeitung begleiten, gewöhnen Sie sich daher am besten bereits zu Beginn eine strukturierte Art der Recherche an und nutzen Sie gegebenenfalls hilfreiche Programme wie Citavi oder Endnote, um den Überblick zu behalten. Diese können auch bei der späteren Erstellung des Literaturverzeichnisses behilflich sein.

4. Struktur

In dieser vierten Stufe soll die Arbeit so strukturiert werden, dass Sie Ihre Arbeitsschritte wiedererkennen und gegebenenfalls verfeinern können. Eine erste Gliederung kann auch bereits auf der Orientierungsstufe hilfreich sein. Dies entscheidet sich auch nach Ihrem Schreibtypen.

Zunächst sollten Sie, nachdem Sie die Literatur ein erstes Mal gesichtet haben, Ihre Fragestellung weiter verfeinern. Durch die Informationen, die Sie während der Recherche erhalten, können Sie außerdem eine oder mehrere Hypothesen aufstellen und das bereits gefundene Material einordnen. Beim Erstellen der Gliederung gibt es einige Techniken, die Ihnen behilflich sein können:

4.1 Kartenlegen und Flow-Chart

Kartenlegen ist besonders für die Visualisierung und Einordnung von Gedankengängen hilfreich. Argumente und Fragen werden auf Karteikarten geschrieben und dann auf verschiedene Arten miteinander kombiniert. Auf diese Weise können Zitate bereits in die Arbeit einsortiert und am Ablauf der Arbeit experimentell gearbeitet werden. Das Flow-Chart kann als Ergebnis des Kartenlegens genutzt werden und zeigt bereits den Ablauf und Zusammenhang der einzelnen Kapitel und eventuell auch schon Unterkapitel auf. Im Abschnitt Beispiele finden Sie ein Flow-Chart, bei dem die Unterkapitel mit Pfeilen verbunden sind, um die Gedankengänge der Arbeit zu visualisieren.

4.2. Freewriting zum Arbeitsablauf

Eventuell ist es hilfreich für Sie, wenn Sie sich den Ablauf Ihrer Arbeit als Geschichte aufschreiben. In einem Freewriting tragen Sie das Ziel, die Vorgehensweise und wichtige Argumente Ihrer Arbeit zusammen. Hierzu schreiben Sie ohne den Stift abzulegen und auf Formalien zu achten alle Gedanken nieder, wie sie Ihnen gerade in den Kopf kommen. Dieses Freewriting können Sie sogar als eine erste Einleitung nutzen.

Die erste Gliederung kann auch genutzt werden, um die Seitenzahlen erstmals einzuordnen. Sie können bereits vor dem eigentlichen Schreibprozess erkennen, wie lang welche Teile werden müssen und ob Sie mit den Vorgaben zur Länge der Arbeit alle Punkte ordentlich bearbeiten können.

Besprechen Sie die Gliederung am besten auch wieder mit Ihrem/r Betreuer/in, um mögliche Verbesserungsvorschläge frühzeitig umzusetzen.

5. Rohfassung

In der Literatur wird oftmals empfohlen, zuerst den Hauptteil zu verfassen bevor Einleitung und Schluss geschrieben werden. Tatsächlich liegt es jedoch an Ihrem Schreibtypen, wie Sie Ihren Text schreiben . Für einige Schreibtypen ist es beispielsweise hilfreich, sich eine erste Einleitung zu schreiben und damit für sich selbst nochmals die Arbeitsschritte zu verdeutlichen. Diese Einleitung sollte jedoch zum Ende der Rohfassung nochmals überarbeitet werden, damit Ideen und Vorgehensweisen, die während des Schreibprozesses anfallen, berücksichtigt werden.

Die erste Rohfassung kann so geschrieben werden, dass sie stilistisch und sprachlich Ihren Ansprüchen nicht genügt. Dadurch können Sie sich zunächst ausschließlich auf den Inhalt konzentrieren und später den Lesefluss produzieren. Wie bereits erwähnt, ist dies jedoch nicht für jeden Schreibtypen die richtige Vorgehensweise. Um herauszufinden, was Ihr Schreibtyp ist und was es damit genau auf sich hat, besuchen Sie gerne das OWL Schreibtypen und Schreibstrategien.

Am Ende der Rohfassung sollten Sie noch die Verzeichnisse erstellen oder – sollten Sie diese bereits während des Schreibens angelegt haben- nochmals genau überprüfen. Achten Sie auf die Vorgaben des Fachgebiets und darauf, dass vor allem im Literaturverzeichnis alle Quellen angegeben sind, die genutzt wurden, jedoch keine, die Sie nicht zitiert haben.

Wenn Sie Abbildungen oder Tabellen einfügen, beachten Sie, dass diese immer im Fließtext erwähnt und erläutert werden müssen. Eine Abbildung ohne Erläuterung ist nicht aussagekräftig und stört daher eher den Leserfluss, als dass es diesen unterstützt. Außerdem müssen auch Abbildungen ordentlich zitiert werden. Auch hierzu sind die Vorgaben zu beachten.

6. Überarbeitung

Nehmen Sie sich grundsätzlich viel Zeit für die Überarbeitung Ihres Textes. Bis zu 40% der gesamten Arbeitszeit gehen in die Überarbeitung ein, da diese auch bereits während der Rohfassung beginnt. Wenn Sie jedoch mit Ihrer Rohfassung soweit zufrieden sind, dass Sie mit der Schlussredaktion beginnen möchten, gibt es ein paar grundlegende Möglichkeiten, sich diese zu erleichtern.

Während wir einen Text schreiben erkennen wir oftmals die eigenen Fehler nicht, oder Gedankengänge sind für uns so klar, dass wir nicht erkennen, wenn der rote Faden durchbrochen wird. Planen Sie daher so viel Zeit ein, dass Sie den Text vor der Überarbeitung zunächst ein paar Tage beiseitelegen können. Auf diese Weise können Sie den Text aus einer anderen Perspektive lesen. Hierzu kann es auch helfen, den Text auszudrucken und/oder in einer anderen Schriftart darstellen zu lassen.

Weitere Hinweise zur Überarbeitung finden Sie im OWL Überarbeitung und Revision einer wissenschaftlichen Arbeit.

7. Abgabe

Zu einer erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeit gehört auch die pünktliche Abgabe. Pünktlich bedeutet hierbei sowohl, dass die Arbeit nicht später als vereinbart abgegeben werden darf als auch, dass sie nicht weitaus früher abgegeben werden sollte. Eine zu späte Abgabe wird mit der Note 5,0 bewertet! Wichtig ist auch, dass Sie die Anforderungen zur Abgabe der Arbeit genau beachten. Seminararbeiten sind hierbei üblicherweise in gedruckter Form, Abschlussarbeiten in mehrfacher Ausfertigung und gebunden einzureichen. Zudem kann es erforderlich sein, die Arbeit ebenfalls in elektronischer Form zu übermitteln und genutzte Quellen elektronisch, an die Prüfer gegeben werden.