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Basiswissen

Was ist ein (E-)Portfolio?

Einführung

„Auf die Frage ‚Was ist ein Portfolio?‘ fühlen sich selbst Praktiker/-innen, die bereits mit Portfolios gearbeitet haben, mitunter geneigt, wie Augustinus zu antworten. Der hat bekanntermaßen auf die Frage ‚Was ist Zeit?‘ geantwortet: ‚Wenn jemand mich danach fragt, weiß ich es, wenn ich es einem Fragenden erklären will, weiß ich es nicht…‘“ (Henning/Kricke 2016: S. 1)

Dieses Zitat wird an dieser Stelle für Sie vielleicht erst einmal etwas unbefriedigend sein. Es zeigt aber bereits zu Beginn einen wichtigen Aspekt über Portfolios: Es gibt viele Wege, ein solches Portfolio zu füllen und zu gestalten. Gemeinsam haben all diese Möglichkeiten zunächst, dass es sich bei einem Portfolio um eine Sammlung handelt. Diese Sammlung kann enthalten:

  • die Bearbeitung verschiedener Aufgaben
  • Zusammenfassungen von Texten
  • Schaubilder wie z. B. MindMaps und Infografiken
  • Fotos
  • Projektberichte
  • Logbucheinträge
  • Dokumente

Definition „Portfolio“

„Das sogenannte Portfolio stellt eine begründete, reflektierte Auswahl von Dokumenten bzw. von Gegenständen dar, die aus einer umfassenden Sammlung (einem Container) zu einem ganz bestimmten Darstellungszweck gezielt getroffen und zusammengestellt werden“ (Henning/Kricke 2016: S. 1).

In diesem Falle wird der Zweck vor allem durch die Einbettung in Ihr vielleicht erstes Schulpraktikum (mit-)bestimmt. Die Aufgabe, ein Portfolio zu erstellen, zielt insbesondere in diesem Kontext auf eine „Brücke zwischen Lernen, Lehren und Beurteilen“ (Henning/Kricke 2016: S. 1) ab. Das Portfolio stellt also ein Medium der Reflexion dar.

E-Portfolios

Bei einem Portfolio, das Sie im Rahmen einer Prüfungsleistung in einem Seminar erstellen müssen, handelt es sich in der Regel um ein E-Portfolio. Ein E-Portfolio ist ein Portfolio, welches elektronisch erstellt wird. Es besteht aus verschiedenen miteinander über Links verknüpften Ansichten, die Sie Ihrer Seminarleitung zugänglich machen. Bei Bedarf können Sie Ihre Ansicht auch mit Kommilitoninnen und Kommilitonen teilen.

Die für die Erstellung von E-Portfolios genutzte Plattform ist an der TU Darmstadt hauptsächlich die Plattform Mahara. Diese Open-Source-Software ermöglicht das Erstellen von Portfolios mit mehreren Ansichten, in denen sowohl Text- als auch Bilddateien hochgeladen werden können. Dieses Modul ist nicht als Einführung in Mahara oder ähnliche Software-Typen gedacht. In der Regel wird Ihnen das nötige Handwerkszeug aber im Vorbereitungsseminar vermittelt (vgl. Mehler 2016: S. 58).

Portfolios als Prozessbegleiter

Abseits der Frage, ob ein Portfolio eine tatsächliche Mappe ist oder es elektronisch vorliegt, gibt es noch weitere, für die Ziele dieses Moduls nicht relevante Unterscheidungen verschiedener Portfolioformen. Bei dem Portfolio, das Sie im SPS erstellen, handelt es sich um ein sogenanntes Prozess-Portfolio. „Prozess-Portfolios zeigen mit Hilfe der eingefügten Produkte unterschiedliche Phasen des eigenen Lern-, Entwicklungs- und Schreibprozesses auf. Besonders wichtig sind dafür Überarbeitungen, Entwürfe oder Zwischenstände von Produkten, die Aufschluss über den derzeitigen Stand des Portfolio-Produkts geben“ (vgl. Mehler 2016: S. 44).

Rolle des E-Portfolios in den SPS

Portfolio als Prüfungsleistung in den SPS

Bis vor einiger Zeit war ein Praktikumsbericht, der sogenannte SPS-Bericht, die Hauptprüfungsleistung der SPS-Veranstaltungen. Das verändert sich mittlerweile an einigen Universitäten nach und nach (z. B. auch an der TU Darmstadt). Der ursprüngliche Praktikumsbericht wird abgelöst durch ein E-Portfolio. Statt gegen Ende der Veranstaltung einen 20-25-seitigen Gesamttext abzugeben, müssen Sie nun kontinuierlich kleine Reflexionstexte über verschiedene Phasen der Veranstaltung formulieren und in einer Portfolio-Ansicht implementieren.

Ein wichtiges Argument, weshalb mittlerweile das Portfolio als Prüfungsleistung im SPS den Praktikumsbericht verdrängt hat, ist dabei, dass das Portfolio sich vielmehr noch als der Bericht als Medium der Reflexion eignet (vgl. Henning/Kricke 2016: S. 36 ff.). Das Portfolio ist in der Regel wesentlich flexibler als ein Praktikumsbericht, der häufig erst zum Ende des zentralen Prozesses – nämlich des Praktikums – formuliert werden kann. Durch das E-Portfolio hingegen wird eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Aufgabenstellungen für und Herausforderungen an eine Lehrkraft gefördert.

Nutzungsmöglichkeiten des Portfolios in den SPS

Diese elektronische Mappe sollen Sie auf mehrere Arten und Weisen nutzen, die insgesamt zu dem zuvor bereits genannten Nutzungsmöglichkeiten der Portfolios passen und hier lediglich auf die SPS-Veranstaltung angewandt werden:

  • Aufgabenbearbeitung und -sammlung (insbesondere Fallanalyse und Unterrichtsentwurf): Häufig werden Ihnen einige Pflichtaufgaben bzw. zusätzliche Wahlaufgaben auf den Weg gegeben, deren Bearbeitung auf jeden Fall Teil des Portfolios sein müssen.
  • Dokumentation des Verlaufs (zentral dabei: Praktikumsverlauf): Da das Portfolio ein Prozessportfolio sein soll, werden Sie angehalten, das Portfolio auch als eine Art Logbuch bzw. Lerntagebuch zu verwenden.
  • Reflexion der eigenen Lehrrolle: Insbesondere ist die Portfolioplattform als Reflexionsplattform zu nutzen. Die Reflexion spielt auch bei den anderen beiden Punkten eine gewichtige Rolle, sodass diese als zentraler Punkt der Portfolioarbeit im SPS gelten kann.

Im nächsten Abschnitt folgt eine Aufzählung besonderer Inhalte, die im Rahmen dieser drei Nutzungsweisen in ein SPS-Portfolio einfließen sollen bzw. können.

Wichtige Inhalte eines SPS-Portfolios

Welche Inhalte von Ihnen im Portfolio verlangt werden, ist je nach Kurs und Universität unterschiedlich. In (nahezu) jedem Falle Bestandteil der schriftlichen Texte, die Sie während des SPS formulieren müssen, ist eine Unterrichtsplanung mit anschließender Reflexion. Es ist sicherlich sinnvoll, diese auch im Portfolio bereitzustellen. Ebenfalls fester Bestandteil von SPS-Portfolios stellen die Fallanalysen dar. Hier sollen Sie den von Ihnen beobachteten Unterricht mithilfe der didaktischen Theorie genauer beschreiben und bewerten.

Weitere häufig erwartete Inhalte der Reflexionen in Ihrem Portfolio sind:

  • das eigene Bild einer guten Lehrkraft
  • Beschreibung der eigenen Motivation, einen Lehrberuf anzustreben
  • Erwartung an die eigene Ausbildung, insbesondere auch das Praktikum im Vorfeld, welche hinterher mit dem tatsächlichen Praktikum verglichen werden

Es gilt aber auch: „Je nach Zweck sieht diese Auswahl und damit das Portfolio anders aus“ (Henning/Kricke 2016: S. 2). Der Zweck wird zum einen durch die Veranstaltung festgelegt. In diesem Falle liegt er in der Reflexion von Vorbereitungsseminar, Durchführung des Praktikums und Nachbereitungsseminar. Zum anderen richtet sich aber die Art und Weise, in der diese Reflexion sinnvoll sein kann, nach Ihnen. Natürlich werden auch Textteile in Ihrem Portfolio gefordert, aber wenn es Ihrer Reflexion hilft, Schaubilder u. ä. zu erstellen, dann gehören auch diese unbedingt in ein Portfolio.

Zumindest einige Teile des Portfolios sollen aber auch schon auf ähnliche Texte im Referendariat vorbereiten. Dies betrifft insbesondere Unterrichtsentwürfe und Fallanalysen, weswegen zumindest hier die Vorgaben doch etwas enger sind. Natürlich sind auch diese Abschnitte im SPSI noch etwas freier gestaltbar als dann später im Referendariat. Bedenken Sie beispielsweise auch, dass Sie in der Regel während des SPSI noch zu Beginn Ihres Studiums stehen und Sie das benötigte fachdidaktische Wissen für einen vollständigen Unterrichtsentwurf noch nicht mitbringen können und müssen. Hier müssen Sie sich an die Vorgaben der Dozierenden halten. Es folgt eine Auflistung an inhaltlichen Punkten, die in der Regel von jedem Unterrichtsentwurf und von jeder Fallanalyse erwartet werden.

Wichtige Bestandteile des Unterrichtsentwurfs

Bestandteile des Unterrichtsentwurfs sind in der Regel:

  • eine Lerngruppenbeschreibung
  • ein Verlaufsplan mit Stichpunkten zum geplanten Unterrichtsgeschehen sowie möglichen Schwierigkeiten und Ideen zu deren Lösung
  • eine Beschreibung und Einordnung der didaktischen Ziele (die sogenannte didaktische Analyse)
  • eine erklärende Beschreibung der Methodenauswahl (die sogenannte methodische Analyse)
  • die Formulierung eines zentralen Lernziels der Unterrichtseinheit
  • eine Verlaufstabelle

Wichtige Bestandteile der Fallanalyse

Bestandteile einer Fallanalyse sind in der Regel

  • eine neutrale und sachliche Beschreibung des beobachteten Unterrichtsgeschehen zu einem vorher von Ihnen ausgewählten Thema
  • ein Überblick über die Fachliteratur zum von Ihnen ausgewählten Thema
  • Verknüpfung der Unterrichtsbeobachtungen mit den Erkenntnissen, die man über die Beschäftigung mit der Literatur zu dem Thema, erhalten hat (z. B. ein Abgleich des Falls mit pädagogischen Theorien)
  • Ausblick zu alternativen Handlungsmöglichkeiten (begründet anhand der Literatur)

Wichtiger Hinweis: Insbesondere in der Fallanalyse, aber auch in anderen Texten, wird wissenschaftlich korrektes Arbeiten von Ihnen verlangt. Das betrifft insbesondere die Zitation: Korrektes und vollständiges Zitieren wird in jedem Falle von Ihnen erwartet!

Anforderungen an ein E-Portfolio im SPS

Ein Portfolio ist in seiner Form sicherlich etwas freier als eine Hausarbeit oder ein Studienbericht, wie er zuvor im SPS verlangt wurde. Das ergibt sich bereits daraus, dass Sie abseits der eingeforderten Inhalte auch freier darin sind, welche Dokumente, Bilder usw. Sie ansonsten in Ihre Sammelmappe einfließen lassen.

Aber: Das Portfolio stellt auch die bewertete Prüfungsleistung im SPS dar. Das gilt insbesondere für die Pflichtinhalte, doch auch für alle anderen Texte, Reflexionen und Medien, die Sie in Ihr Portfolio einfließen lassen! Daher sind einige Anforderungen an das Portfolio unbedingt einzuhalten.

Vollständigkeit

Häufig werden Ihnen im Vorbereitungsseminar sowohl einige Pflichtaufgaben als auch Wahlpflichtaufgaben vorgestellt, die Sie in Ihrem Portfolio behandeln sollen bzw. können. Achten Sie darauf, die einzelnen Aufgaben vollständig zu bearbeiten und genügend Wahlpflichtaufgaben zu erfüllen.

Zur Vollständigkeit gehört auch ein angemessener Umfang. In vielen Fällen wird Ihnen bei einer Aufgabe auch gesagt, wie hoch die dafür verwendete Zeichenanzahl mindestens (manchmal auch höchstens) sein soll.

Sprachliche Korrektheit

Auch die Texte und Beschriftungen in E-Portfolios sollen natürlich den Regeln der deutschen Grammatik und Rechtschreibung genügen.

Angemessenheit des Stils

In Portfolios ist der Stil teilweise etwas freier als in anderen wissenschaftlichen Texten. Achten Sie dennoch darauf, keine Umgangssprache zu verwenden. Insbesondere Unterrichtsentwurf und Fallanalyse müssen in jedem Falle den üblichen stilistischen Anforderungen an eine Hausarbeit genügen. Beachten Sie beispielsweise bei der Fallanalyse, dass diese in der Tat einen wissenschaftlichen Text darstellt – immerhin nutzen Sie hier auch wissenschaftliche Quellen.

Wissenschaftlich korrektes Arbeiten

Sie nutzen mindestens in den Fallanalysen, idealerweise aber auch in anderen Texten wissenschaftliche Literatur, mit der sie abwägend und reflektiert umgehen und die sie auch korrekt zitieren.

Fachliche Korrektheit

Wie in allen anderen Texten, die Sie an der Universität verfassen, müssen Sie prüfen, ob Ihre Aussagen dem Standard des Faches entsprechen. Das ergibt sich in den meisten Fällen bereits aus dem wissenschaftlich korrekten Arbeiten, aber auch durch eine sprachlich präzise Formulierung.

Neutralität der Beobachtungen und Analysen

Insbesondere in den Fallanalysen, aber z. B. auch bei der Schul- und Lerngruppenbeschreibung, werden Sie dazu angehalten, eine vernünftige Einschätzung der jeweiligen Aspekte zu geben. Dies ist aber in keinem Fall damit zu verwechseln, dass Sie eine Bewertung abgeben sollen. Bedenken Sie, dass Sie trotz allem noch Anfänger in Ihrem Beruf sind und nicht beurteilen sollen, was eine langjährige Lehrkraft in Ihren Augen „schlecht gemacht“ hat! Stattdessen sollen Sie begründet Alternativen aufzeigen und beschreiben, wie Sie eventuell in der einen oder anderen Situation vorgegangen wären. Dabei ist zu beachten, dass hierzu auch gehört, zu akzeptieren, dass es verschiedene Lehrstile gibt.

Häufig ist die Frage, ob man gerade eine Einschätzung abgibt oder tatsächlich wertet, zum einen eine Frage der Argumentation – z. B. auch, ob Sie zur Untermauerung Ihrer Argumente wissenschaftliche Literatur heranziehen und ob Sie Pro und Contra abwägen –, zum anderen handelt es sich hierbei auch um eine Stilfrage.

Reflexionscharakter

Neben der korrekten und angemessenen Wiedergabe recherchierter Inhalte und beobachteter Unterrichtssituationen wird von Ihnen im Portfolio auch die Reflexion ebendieser verlangt. Sie sollen eben nicht nur beim Anforderungsniveau I (oder II) stehen bleiben, sondern auch das Anforderungsniveau III, die Reflexion, beherrschen.

Wichtig ist: Vergessen Sie nicht, dass der Wechsel von Studienbericht zum Portfolio als Prüfungsleistung hauptsächlich vollzogen wurde, weil das Portfolio das bessere Reflexionsmedium darstellt. Demgemäß gehören zu den Anforderungen bzgl. der Reflexion Ihrer Erfahrungen mehrere Punkte:

  • die Reflexion der Fallanalyse mithilfe der verwendeten Literatur
  • eine den Aufgabenstellungen angemessene Reflexionstiefe
  • nachvollziehbare Begründungen der Vorgehensweise im Unterrichtsplan sowie die Reflexion darüber, ob man diese Vorgehensweise erneut so wählen würde (zumindest im SPSI gehört es zu der Reflexion der Unterrichtsplanung auch dazu, zu beschreiben, welche Planungsschritte einem schwer fielen und welche nicht)
  • Erkennbarkeit des Reflexionsprozesses über die Zeit den Veranstaltungsverlauf hinweg

Es folgen noch ein paar Hinweise dazu, was denn nun genau mit dem Wort ‘Reflexion‘ gemeint ist und wie man diese in den Texten umsetzen kann.

Das Wichtigste: Reflexion

„Reflexionsfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz pädagogischer Professionalität“ (Henning/Kricke 2016: S. 37), also auch eine Fähigkeit, die später von Ihnen als Lehrkraft erwartet wird. Insbesondere deswegen ist es so wichtig, dass Sie bereits bei Ihrem ersten Kontakt mit der Lehrrolle erfahren, wie sehr diese auch mit einer angemessenen Reflexion verbunden ist.

„Reflexion bedeutet das bewusste Nachdenken über die Erfahrungen (Vergangenheit) und Erwartungen (Zukunft) bezüglich eines bestimmten Themas“ (Henning/Kricke 2016: S. 37). Sie kann sich auf bestimmte Situationen und andere Personen sowie deren Verhalten beziehen oder aber auch eine Selbstreflexion sein. Im E-Portfolio wird beides von Ihnen erwartet.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie eine Reflexion strukturiert werden kann. Eine Gliederung für reflexive Texte, die sich als besonders bewährt für SPS-Texte erwiesen hat, stellt eine Dreigliederung dar:

  • What? (Was ist passiert?)
  • So what? (Warum ist gerade das interessant? Wie kann man das mit vorigen Erkenntnissen verbinden?
  • Now what? (Was könnte man tun, wenn man sich verbessern wollte?)

Dabei soll die Reflexion nicht nur eine Last für Sie darstellen. Auch die Frage „Was lief gut?“ gehört zu einer angemessenen Reflexion. Immer nur das Negative zu sehen – an sich selbst oder an anderen -, zeugt nicht von einer guten Reflexionsfähigkeit. Erst das angemessene Abwägen zeigt, dass Sie reflektieren können.

Besonders anspruchsvoll, aber auch besonders gewinnbringend ist die Reflexion über die Ergebnisse der Reflexion. Im Idealfall bemerken Sie bald, wie eine sinnvolle Reflexion der Praxis auch Ihre Praxis selbst verändert und verbessert. Schreiben Sie auch solche Erfahrungen unbedingt in Ihr Portfolio!