Basiswissen

Basiswissen

An dieser Stelle wird Ihnen eine allgemein gültige Definition von Quellen gegeben. Weitergehend können Sie sich hier über die verschiedenen Eigenschaften von Quellen informieren und wie Sie später mit ihnen umgehen können.

Unterscheidung: Literatur und Quelle

Vor allem Studienanfängern fällt es oft schwer, den Unterschied zwischen Literatur und Quellen nachzuvollziehen. Quellen können Texte, Kleidungstücke, Statuen, Bauwerke, Grabsteine, Münzen, Urkunden usw. sein, die aus einer bestimmten Zeit erhalten sind und uns Auskunft über diese Zeit geben. Unter den Begriff Literatur hingegen fallen „wissenschaftliche Darstellungen, die auf der Basis von Quellen historische Prozesse oder Ereignisse beschreiben, analysieren und bewerten.“ (Freytag/Piereth 2004: 15). Literatur gibt zwar ebenfalls Auskunft über die Vergangenheit, aber aus einem späteren und wissenschaftlichen Blickwinkel.

Beispiel:

Der Text „Du Contrat Social ou Principes du Droit Politique“ von Jean-Jacque Rousseau ist eine Quelle, wenn Sie sich mit den Staatstheorien während der Französischen Revolution beschäftigen.

Eine Biographie über Jean-Jacque Rousseau oder ein Vergleich von verschiedenen Staatstheorien im Rückblick zählt man zur Literatur.

Definition: Quelle

Wie bereits in der Einleitung erwähnt ziehen Historiker/innen ihre Erkenntnisse über die Geschichte aus Quellen. Johann Gustav Droysens war der erste Historiker, der sich ausgiebig mit Quellen und ihrer Bedeutung auseinander setzte. Er ging davon aus, dass eine Quelle eine „mündliche oder schriftliche Überlieferung zum Zweck, historische Kenntnis zu verschaffen“ (Brandt 2003: 48) sei. Diese Ansicht wurde im Laufe der Zeit ergänzt, da es auch Quellen gab, mit den die Forscher/innen etwas über die Vergangenheit lernten, obwohl diese nicht dafür vorgesehen waren. Dennoch gilt Droysens heute als Gründer der „Quellenkunde“, der Lehre von den historischen Quellen.

Heutzutage einigte man sich auf folgende Definition:

Eine Quelle ist eine Überlieferung, aus der wir etwas über die Geschichte lernen können. Sie kann mündlich, schriftlich oder gegenständlich überliefert sein. Dabei wird unterschieden, ob sie wissentlich oder unwissentlich für ihre spätere Nutzung geschaffen/ verfasst worden ist.

Überrest und Tradition

Quellen wurden im Laufe der Zeit immer wieder in unterschiedliche Gruppen unterteilt, um die Arbeit der Historiker/innen zu erleichtern. Dies ähnelt der Arbeit eines Handwerkers, der versucht sein Werkzeug zu sortieren, um später schneller und leichter darauf zugreifen zu können (vgl. Brandt 2003: 49).

Viele verschiedene Gruppenzuweisungen wurden erprobt, doch nur eine erwies sich als zweckmäßig. Historiker/innen unterscheiden heute zwischen den Überresten und der Tradition. Im Folgenden werden die Unterschiede und die sich daraus ergebenen verschiedenen Herangehensweisen deutlich gemacht.

Überrest

Ein Überrest ist ein Gegenstand, mit dem wir etwas über die Vergangenheit lernen können, obwohl er nicht zu diesem Zweck geschaffen wurde. Die Liste der möglichen Gegenstände ist sehr lang, um eine Einteilung zu erleichtern, wurde diese in drei Untergruppen aufgegliedert:

  • „Sachüberreste“ (körperliche Überreste, Bauwerke, Geräte, Erzeugnisse von Kunst, Gewerbe aller Art usw.)
  • „Abstrakte Überreste“ (fortlebende oder überlieferte Institutionen, Rechts- und Verfassungszustände aller Art, Tatsachen der Sitten, der Sprache usw.)
  • „Schriftliche Überreste“ (Schriftgut, das aus geschäftlichen oder privaten Bedürfnissen der jeweiligen Gegenwart entstanden ist)

(Brandt 2003: 56)

Eines haben diese Untergruppen aber gemein: Sie berichten uns immer nur über einen kurzen zeitlichen Raum. Wir können von ihnen auf einen bestimmten historischen Zeitpunkt zurück schließen, aber nicht eine gesamte Epoche verstehen. Deshalb sollten Sie bei Ihrer Quellenarbeit immer bedenken, dass der Überrest auf seinen damaligen Gegenwartszweck beschränkt ist, sodass Sie sich durch diese Quelle auch nur die jeweilige Gegenwart erschließen können (vgl. Brandt 2003: 58).

Im Bereich der Überreste ist eine genauere Analyse notwendig. Die historischen Aussagen werden nicht explizit präsentiert, sondern Sie müssen sie mit einer Fragestellung oder einem bestimmten Theorieansatz untersuchen. Oft finden sich Antworten oder Hinweise versteckt und am Rande, z. B. in Nebensätzen. Nicht immer kann man aus einem Überrest eine Erkenntnis ziehen und oft werden vorschnelle oder falsche Schlüsse gezogen.

Wenn bei einem Leichnam eines Königs beispielsweise keine Haare gefunden werden, dann wird fälschlicherweise angenommen, er habe zu Lebzeiten eine Glatze besessen.

Bei der Arbeit mit Quellen sollten Sie sich immer wieder bewusst machen, dass diese in einem bestimmten Kontext entstanden und nicht frei von subjektiven Eindrücken sind. Manchmal neigt man dazu, Überresten als einzige Wahrheit zu betrachten. Besonders vorsichtig sollten Sie bei „schriftlichen Überresten“ sein, wie beispielsweise Liebesbriefen, die sehr emotional die Eindrücke einer Person wiedergeben.

Tradition

Im Gegensatz zum Überrest, wurde die Tradition bewusst als Quelle für die Nachwelt geschaffen. Der Vorteil der Tradition ist, dass uns Ereignisse überliefert sind, die nach der damaligen Einschätzung eine historische Bedeutung haben.

Aus dem Vorteil der Tradition ergibt sich aber auch gleichzeitig einer ihrer Nachteile. Der/die Historiker/in ist davon abhängig, was der/die Schaffer/in der Quelle als wichtig empfand. Somit kann Wissen über Ereignisse, Ideen usw. verloren gehen, aber genauso kann weitergegeben werden, was uns heute unwichtig erscheint. Hierbei hängt es jedoch von der Fragestellung an die Quelle ab, ob etwas von Bedeutung ist.

Ein weiterer Nachteil bei Traditionsquellen ist der subjektive Blickwinkel der Erschafferin/des Erschaffers der Quelle, der je nach Quelle eindeutig oder auch sehr schwierig zu erkennen ist. Der/die Verfasser/in oder Gestalter/In der Quelle ging von einer gewissen Grundaussage aus, die aus seiner Sicht galt und die der Nachwelt erhalten bleiben sollte. Durch diese Subjektivität können Fehler, falsche Aussagen oder durch die Meinung eines Einzelnen geprägte Quellen entstehen.

Primär- und Sekundärquellen

Losgelöst von den beiden großen Quellengruppen, Überrest und Tradition, unterscheiden Historiker/innen noch zwischen Primär- und Sekundärquellen. Sie unterscheiden sich hauptsächlich durch den zeitlichen, personellen und räumlichen Abstand zu einem bestimmten historischen Ereignis. Eine Primärquelle wurde also von jemandem hergestellt, der direkt von einem Ereignis betroffen war und darüber berichtete. Aber auch Fotographien oder Filmaufnahmen können Primärquellen sein. Eine Fotographie von der Erschießung John F. Kennedys kann durchaus als Primärquelle dienen.

Eine Sekundärquelle hat einen gewissen Abstand zur Primärquelle, obwohl sie den gleichen Gegenstand behandelt. In unserem konkreten Beispiel könnte dies eine Zeichnung sein, die das Attentat auf Kennedy zeigt. Im Gegensatz zur Primärquelle wurde diese allerdings zu einem späteren Zeitpunkt hergestellt, wodurch ein gewisser zeitlicher Abstand hinzukommt, in dem sich die Ansichtsweise des/der Hersteller/in ändern konnte

Arbeiten mit Primär- und Sekundärquellen:

Möchten Sie ein bestimmtes Ereignis oder eine spezielle Zeit untersuchen, so sollten Sie möglichst mit Primärquellen arbeiten – also Zeitungsartikel, Bilder, Tagebucheinträge, Urkunden usw. von diesem Tag/dieser speziellen Zeit untersuchen. Möchten Sie allerdings die Ansichten zu einem Ereignis über mehrere Jahre/ Jahrzehnte hinweg untersuchen, müssen Sie Primärquellen, z. B. Zeitungsartikel über ein Ereignis, und Sekundärquellen, z. B. Deutungen und Augenzeugenberichte nach mehreren Jahren, heranziehen, um ein genaues Bild von den Meinungen und Deutungsmöglichkeiten zu erhalten.

Für Sie bedeutet das allgemein, dass Sie Quellen zur Bearbeitung auswählen sollten, die zeitlich nahe an Ihrem Themenschwerpunkt und Ihrer Fragestellung liegen.