Schritt für Schritt

Arbeiten mit Quellen in der Geschichtswissenschaft

Schritt für Schritt

Ziel dieses Abschnittes ist es, Ihnen einen Leitfaden zur Verfügung zu stellen, an dem Sie sich entlang arbeiten können.

Fragestellung

Bevor Sie sich auf die Suche nach Quellen machen, sollten Sie sich überlegen, welches Thema Sie bearbeiten möchten und dazu eine konkrete Fragestellung formulieren, die Sie mit Hilfe der Quelle beantworten. Dann erst können Sie eine Quelle für sich erkenntnisbringend untersuchen.

Suche nach Quellen

Wenn Sie Ihre Fragestellung formuliert haben, müssen Sie sich zunächst überlegen, welche Quellen sich für die Bearbeitung Ihrer Fragestellung eignen.

In Archiven haben Sie die Möglichkeit, Originalquellen einzusehen, aber auch online finden sich mittlerweile Datenbanken, die für Studierende kostenfrei zugänglich sind. Haben Sie Probleme bei der Suche, dann fragen Sie Ihren Dozenten oder Ihre Dozentin, einen Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin des Archivs, oder wenden Sie sich an die Schreibberatung.

Quellenbeschreibung

Haben Sie eine Quelle gefunden, sollten Sie sich zunächst die folgenden Fragen beantworten und Ihre Quelle beschreiben:

  • Art der Quelle (Akte, Fotographie, Urkunde, …)
  • Fundort
  • Aufbewahrungsort
  • Erhaltungszustand
  • Datierung (Wann ist sie entstanden?)
  • Verfasser/ Urheber/ Gestalter (Wer war beteiligt?)
  • gegebenenfalls: Adressat (an/für wen?)

Transkription und Übersetzung

Danach ist es wichtig, dass Sie Ihre Quelle übersetzen, falls sie in einer fremden Sprache verfasst wurde, oder die Quelle transkribieren, wenn sich auf der Quelle alte/fremde Schriftzeichen befinden. Beim Transkribieren sollten Sie sich Zeit lassen und sehr gewissenhaft vorgehen und gegebenenfalls um Hilfe eines Fachkundigen bitten, da eine genaue Transkription wichtig für die weitere Arbeit mit der Quelle ist. Das gilt ebenfalls für die Übersetzung. Falls Sie bei der Übersetzung auf Schwierigkeiten stoßen, sollten Sie sich einige Übersetzungen ausleihen. Wichtig ist es, dass Sie auf verschiedene Versionen zurückgreifen, da es bei Übersetzungen oft zu Fehlern kommen kann. Sollten Sie des Lateinischen mächtig sein, versuchen Sie ruhig eine eigene Übersetzung anzufertigen, ziehen Sie aber auf jeden Fall eine weitere Version zu Rate.

Bei der Übersetzung sollten Sie besonders darauf achten, dass Begriffe einem Bedeutungswandel unterliegen können. Viele Bezeichnungen hatten damals eine andere Bedeutung oder sind uns heute nicht mehr geläufig. Sie sollten deshalb ein Wörterbuch zu Rate ziehen, wenn Sie eine Bedeutung nicht kennen. Die folgende Linksammlung kann Ihnen dabei helfen, das passende historische Wörterbuch zu finden: http://www.mediaevum.de/wb1.htm (30.4.2015)

Haben Sie die Quelle übersetzt und transkribiert, fertigen Sie eine Reinschrift an, die Sie neben das Original legen, um sich die Arbeit zu erleichtern.

Besonderheit: bildliche Quellen

Grundsätzlich gelten bei der Arbeit mit Bildquellen (Zeichnung, Gemälde, Fotografie, Karte) dieselben Dinge zu beachten wie bei schriftlichen Quellen. Darüber hinaus haben sich in den Geschichtswissenschaften der letzten Jahre neue Analyseansätze für diese Quellensorte entwickelt. Einen Einblick hierin bietet: Paul, Gerhard (Hg.): Visual history: ein Studienbuch, Göttingen 2006.

Erste Quellenlektüre: Zusammenfassen

Während der Lektüre sollten Sie sich bereits einige Notizen über Dinge machen, die Ihnen direkt auffallen. Notieren Sie sich, was Ihnen an welcher Stelle aufgefallen ist, um zu einem späteren Zeitpunkt leicht wieder an die Gedanken anschließen zu können. Fertigen Sie sich eine Kopie der Quelle an, falls das möglich ist, da Sie nicht auf einem Original „herummalen“ können. Bei schriftlichen Quellen ist es sinnvoll, eine kurze Inhaltszusammenfassung anzufertigen. Achten Sie auch darauf, dass möglicherweise nicht alles explizit ausformuliert/abgebildet ist, sondern manchmal nur zwischen den Zeilen angedeutet wird.

Literatur zur Quelle: Zusammenhänge erfassen

Nun gilt es, zusätzliche Informationen zur Quelle zu finden und zu notieren. Besonders wichtig sind folgende Punkte:

  • den Autor bzw. den Urheber,
  • seine Absichten,
  • gegebenenfalls den Adressaten,
  • den Zeitpunkt der Herstellung (zeitgenössisch oder wurde erst später, im Andenken an das Geschehene, hergestellt),
  • den Bezug des Verfassers/Urhebers zum Geschehen (beteiligt/Augenzeuge/nicht anwesend?),
  • die Inhalte der Quelle (Ereignisse, Darstellungen, beteiligte Personen …),
  • bereits existierende Quellenanalysen und -interpretationen

Quellenanalyse

Sie sollten sich jetzt die Fragen stellen:

  • Welche Aussagekraft und Aussagereichweite hat die Quelle für meine Fragestellung?
  • Wie lässt sich die Quelle in den historischen Kontext einordnen?

Dazu vergleichen Sie die Inhalte der Quelle mit Ihren Erkenntnissen aus der Fachliteratur und den zur Quelle bereits gesammelten Hintergrundinformationen. Besonders große Unterschiede zwischen Quelle und Hintergrundinformationen und/oder Fachliteratur sollten Sie auf einem neuen Zettel aufschreiben. Diese Besonderheiten werden es später sein, über die Sie genauer schreiben müssen. Vielleicht erkennen Sie hier schon den Hintergrundgedanken des Verfassers der Quelle:

  • Wollte er eine Situation so darstellen, dass er selbst später in einem besseren Licht steht?
  • War er zeitlich zu weit entfernt, um das Geschehene richtig wiedergeben zu können?
  • Hatte der Autor durch eine zeitliche Distanz mehr Informationen als die unmittelbaren Augenzeugen?
  • Ist die Deutung/ Denkweise typisch für eine bestimmte Epoche?

Schreiben

Vor dem Schreiben sollten Sie sich noch einmal klar machen, für wen Sie diesen Text schreiben. Wenn der Text für einen Dozent/ eine Dozentin bestimmt ist, werden Sie eine andere Sprache wählen als für sich selbst.

Greifen Sie nun auf die Notizen zurück und bringen Sie diese in einen Fließtext. Beginnen sollten Sie mit der Beschreibung und Zusammenfassung der Quelle. Bei bildlichen Quellen sollten Sie eine kurze Beschreibung dessen geben, was zu sehen ist und im Anhang Ihrer Arbeit die Bildquelle anfügen. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, sodass Sie Ihre Erklärungen und Beschreibungen durch das Bild untermauern können. Im Anschluss können Sie, wenn dies möglich ist, einen kurzen Abschnitt zur Herstellungsgeschichte der Quelle anfügen.

Nun beginnen Sie mit der eigentlichen Quellenarbeit. Notieren Sie sich Ihre Fragestellung auf ein gesondertes Blatt, damit Sie sie während dem Schreiben nicht aus den Augen verlieren. Überlegen Sie sich:

  • welchen Erkenntnisgewinn die Quelle für Ihre Fragestellung hat,
  • ob Sie auf Unstimmigkeiten gestoßen sind (Vergleich mit Fachliteratur)
  • ob sie Theorien/Ideen bestätigt
  • ob Sie weitere Quellen heranziehen sollten/ bearbeitet haben,
  • wie diese Quellen das Thema behandeln (Übereinstimmungen, Widersprüche).

Beginnen Sie auf jeden Fall mit den gravierenden Unterschieden, da diese von besonderem Interesse sind und detailliert analysiert werden sollten. Generell wird Ihnen die Auswahl und Argumentationsstruktur jedoch selbst überlassen.

Abschließend beschäftigen Sie sich mit den kleineren Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Dabei sollten Sie bedenken, dass nicht jeder Unterschied/ jede Gemeinsamkeit von Bedeutung für Ihre Fragestellung ist und deshalb durchaus weggelassen werden kann. Meist handelt es bei kleinen Unterschieden um Übersetzungsfehler oder es ging im Laufe der Zeit etwas verloren. An diesem Punkt können Sie auch kürzen, wenn Sie eine strikte Seitenvorgabe haben.

Überarbeitung

Wenn möglich, lassen Sie Ihren Text einige Tage ruhen und gehen erst dann zur Überarbeitung über. Mit zeitlicher Distanz zum Text fällt Ihnen die Überarbeitung sicherlich leichter.

Jetzt lesen Sie noch einmal den von Ihnen verfassten Text. Achten Sie zunächst auf eine logische Abfolge, inhaltliche Richtigkeit und prüfen Sie nochmals, dass der Text die Fragestellung behandelt, sowie Titel und Überschriften zum Inhalt passen. Auf jeden Fall sollten Sie noch einmal Ihre Notizen zur Hand nehmen, die Sie während der Quellenanalyse geschrieben haben. Nun vergleichen Sie den fast fertigen Text mit ihren Notizen. Haben Sie alle wichtigen Informationen mit aufgenommen? Können Sie vielleicht sogar etwas wegstreichen? Anschließend überprüfen Sie noch einmal, ob Sie den Text leserfreundlich und dem Adressaten angemessen verfasst haben. Wenn Sie Zweifel haben, geben Sie den Text einem Freund/einer Freundin oder besuchen Sie die Schreibberatung, um eine Rückmeldung zu Ihrem Text zu bekommen.

Korrektur

Abschließend kümmern Sie sich um die Rechtschreibung, die Grammatik und die Formatierungen. Zusätzlich sollten Sie auch Kommilitonen/innen um Hilfe beim Korrekturlesen bitten, da diese die Fehler wahrscheinlich leichter erkennen.