Sprache & Stil

Sprache & Stil

In diesem Abschnitt sollen Sie einen Überblick über die wichtigsten Merkmale der naturwissenschaftlichen Sprache sowie über die häufigsten Fehlerquellen der Sprachverwendung erhalten.

Merkmale der Sprache in den Naturwissenschaften

Die Naturwissenschaften, und damit auch die Biologie, zählen sich zu den sogenannten exakten Wissenschaften. Diesem Anspruch muss natürlich auch der sprachliche Ausdruck genügen. Das bedeutet, dass die in der wissenschaftlichen Kommunikation verwendete Sprache sich vor allem durch ihre Klarheit und Unmissverständlichkeit auszeichnet. Sie sollte leidenschaftslos, sachlich distanziert und komprimiert sein (Kremer 2006: 51).

Beim Schreiben von naturwissenschaftlichen Arbeiten, sei es ein Bericht, eine Publikation von Forschungsergebnissen oder eine Abschlussarbeit, sollte man – wie bei jeder anderen wissenschaftlichen Arbeit auch – darauf achten, keine Umgangssprache zu verwenden, sich deutlich und präzise auszudrücken, keine langen Satzkonstruktionen (ein Hauptsatz mit mehr als zwei nebengeordneten Sätzen) zu verwenden und natürlich auch die korrekte Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung zu berücksichtigen. Auch Schachtelsätze sollten Sie vermeiden: Sätze wie „Der Reaktor, in den das Thermometer, das zur Kontrolle der Temperatur dient, bereits eingeführt ist, wird mit dem Zulauf verbunden.“ lassen sich auch eleganter formulieren: „Man setzt zur Kontrolle ein Thermometer ein und verbindet dann den Reaktor mit dem Zulauf“. (Ebel/Bliefert/Greulich 2006: 537)

Ein salopper Plauderton hat in wissenschaftlichen Arbeiten nichts verloren. Dennoch darf natürlich auch in einem wissenschaftlichen Text der persönliche Stil der Autorin/ des Autors erhalten bleiben.

Darstellungsperspektive

In einem wissenschaftlichen Bericht ist auf jeden Fall von der auktorialen Darstellungsform („Ich habe beobachtet, dass…“) abzuraten. Diese Sichtweise lässt sich dann annehmen, wenn Sie gemeinsam mit anderen Autoren einen Text verfassen. Schon Watson und Crick schrieben in ihrer Publikation zum molekularen Aufbau der DNA: „We wish to suggest a structure for the salt of desoxyribose nucleic acid.“ (Die Publikation von 1953 ist online einsehbar: http://www.nature.com/nature/dna50/watsoncrick.pdf)

Analog kann man im Deutschen die „Wir-Form“ verwenden (z.B. „Aus diesen Beobachtungen folgern wir, dass…“). Wenn Sie jedoch einen Text als Einzelperson verfassen, sollten Sie eine distanziertere Perspektive annehmen. Zu vermeiden sind auch Formulierungen wie „Der Autor kommt zu dem Schluss, dass…“, da dadurch nur eine scheinbare Distanz vorgetäuscht wird.

Mögliche Formulierungen sind zum Beispiel „Daraus folgt, dass…“, „Aus den Ergebnissen lässt sich schließen, dass…“ oder „Diesem Sachverhalt ist hinzuzufügen,…“

Anglizismen oder „Denglisch“

Immer mehr finden englischsprachige Wörter auch Einzug in den deutschen Sprachgebrauch. Wörter, wie „Laptop“ oder „E-Mail“ müssen wohl niemandem mehr übersetzt werden. Auch in der Biologie gibt es Begriffe, die aus dem Englischen stammen und keine Übersetzung benötigen (z.B. der „Southern Blot“ oder „Primer“). Dennoch sollten Sie mit Anglizismen immer sparsam umgehen und sie nur dann verwenden, wenn damit ein Sachverhalt besser und eindeutiger beschrieben werden kann, als mit der entsprechenden deutschen Übersetzung.

Umgang mit Fachwörtern

In den naturwissenschaftlichen und medizinischen Fächern haben Fachwörter, die sich zumeist aus dem (Alt-)Griechischen oder Lateinischen ableiten, eine lange Tradition und sind unerlässlich für eine exakte wissenschaftliche Kommunikation. Dennoch sollte der Umgang mit Fachwörtern bedacht werden.

Für einige Begriffe kann man sicherlich auch die entsprechende deutsche Ausdrucksweise verwenden (z.B. Nucleus = Zellkern), jedoch ist in vielen Fällen das Fachwort präziser. Machen Sie sich jedoch bewusst, an wen sich Ihr Text richtet. Im Falle eines Protokolls ist davon auszugehen, dass dieses in erster Linie von Ihrem/r Praktikums- oder ExkursionsleiterIn gelesen wird, und diese/r mit den Fachbegriffen vertraut ist. Dennoch sollten Sie nicht darauf verzichten, die wichtigsten Begriffe so darzustellen, dass auch ein Außenstehender nachvollziehen kann, was der Fachbegriff bedeutet. Dies lässt zum einen mit kurzen Erläuterungen, zum anderen aber auch mit Skizzen oder Schaubildern erreichen.

Abkürzungen

In der Biologie werden Ihnen mit Sicherheit schon viele Abkürzungen begegnet sein, wie zum Beispiel DNA oder PCR. In der Regel kann gerade bei den sehr geläufigen Abkürzungen davon ausgegangen werden, dass sie hinlänglich bekannt sind. Speziellere Abkürzungen sollten Sie doch in jedem Fall entweder im Text selbst oder in einem gesonderten Abkürzungsverzeichnis erklären. Im Text bietet es sich an, zunächst den ausformulierten Begriff zu verwenden und anschließend die Abkürzung in Klammern zu setzten, zum Beispiel „Major Histocompatibility Complex (MHC)“. Auch hier gilt, dass man mit Abkürzungen sparsam umgehen sollte, da ansonsten die Lesbarkeit des Textes eingeschränkt wird.

Füllwörter vermeiden

Wie in allen wissenschaftlichen Textsorten sollten Sie auch hier darauf achten, Füllwörter (ganz, eigentlich, regelrecht, irgendwie, ja, natürlich, etc.) zu vermeiden. Sollten Ihnen diese Wörter während des Korrekturlesens begegnen, können Sie sie ohne Ersatz streichen. In der Regel gewinnen Texte dadurch an Prägnanz.