Basiswissen

Schreibtypen und Schreibstrategien

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Definition Schreibstrategien

Unter Schreibstrategie versteht man die Herangehensweise an das Schreiben eines Textes. Hierbei handelt es sich um eine komplexe Vorgehensweise, bei der verschiedene Schreibtechniken bewusst und unbewusst angewendet werden. Sie setzt sich aus vielen kleinen Schritten zusammen, die das Ziel haben, eine bestimmte Schreibaufgabe zu bewältigen. Schreibstrategien lassen sich in kleine Teilhandlungen und Phasen zerlegen, die auf das gemeinsame Ziel der gewünschten Textproduktion hinarbeiten. Diese können je nach Textsorte und Anlass variieren und sind von Schreiber zu Schreiber verschieden.

Definition Schreibtypen

Ein Schreibtyp ist keine endgültig festgelegte Typisierung einer schreibenden Person, sondern die verfestigte Form einer Schreibstrategie. Schreibtypen sind nicht zwingend personenbezogen festgelegt, sie können mit der Textsorte, die verfasst wird, variieren:

„Einen Tagebucheintrag schreibt man vielleicht in einem Zug, ein privates Gedicht wird eventuell eher aus Puzzleteilen gebastelt oder entsteht durch mehrere Versionen, und eine wissenschaftliche Hausarbeit schreibt man womöglich nach einem vorherigen Plan.“ (Grieshammer 2013: 31).

Jedoch ist das Bewusstsein über die persönlich bevorzugten Strategien besonders in Bezug auf bestimmte Textsorten oder Schreibaufgaben hilfreich, um das eigene Schreiben zu optimieren.

Schreibtypen im Überblick

Der spontane Schreiber

„Der Spontane ist der Abenteurer unter den Schreibtypen.“ (Ortner 2000: 33)

Das herausragende Merkmal des spontanen Schreibers ist das assoziative Schreiben, währenddessen er seine Gedanken zum Text entwickelt. Das Vorwissen wird „portionsweise und vorhandenen Wissensstrukturen folgend aus den Wissensnetzen entnommen“ (Ortner 2000: 363), weswegen sich die Struktur des Textes erst beim Schreiben entwickelt und der spontane Schreiber auch Strukturschaffer genannt wird. Ein Vorteil des spontanen Schreibens ist, dass sehr schnell viel Text entsteht: „Die meisten Schreiber fühlen sich gut, wenn sie früh Textergebnisse haben: es beruhigt beim Schreiben unter Zeitdruck und motiviert zum Weiterschreiben.“ (Scheuermann 2011: 19) Durch das spontane Schreiben ergibt sich, dass der Schreiber viele Ideen schnell verschriftlichen kann, währenddessen aber nicht auf seine Formulierungen achtet. Daraus leite sich ab, dass der spontane Schreiber sich „viel Zeit und Ruhe nehmen [muss], um den Text leserorientiert zu überarbeiten“ (Grieshammer 2013: 34), was als Nachteil dieser Schreibstrategie gesehen wird. Ein weiterer Nachteil des assoziativen Schreibens kann sein, dass sich Textstellen im Nachhinein als überflüssig herausstellen können, da das Thema des Textes während des Schreibens aus den Augen verloren wurde.

Unter Schritt für Schritt finden Sie Techniken, welche Ihnen helfen können, Ihre Stärken zu fördern und den Schwächen entgegenzuwirken.

Der Pläneschmieder oder der Planer

„Der Pläneschmieder ist der absolute Stratege unter den Schreibern.“ (Grieshammer 2013: 34)

Der Pläneschmieder ist, im Gegensatz zum spontanen Schreiber, kein Strukturschaffer (wie beispielsweise der spontane Schreiber, der die Struktur seines Textes erst beim Schreiben entwirft), sondern ein Strukturfolger. Die Struktur des Textes entsteht, bevor mit dem Schreiben begonnen wird. Der Text entsteht zunächst stichpunktartig im Kopf oder als (kommentierte) Gliederung auf dem Papier, nachdem der Pläneschmieder sich einen Überblick über das Thema verschafft hat. Das Hauptmerkmal dieses Schreibtyps ist, dass „der Plan […] nicht der Text [selbst ist], sondern […] eine organisierte Folge von Ideen für einen Text.“ (Ortner 2000: 450)

Durch die genaue Planung dieses Schreibtyps wird die Gliederung während des Schreibens kaum noch verändert, was dazu führt, dass Ideen, welche nach dem Erstellen einer Gliederungen entstehen, schlecht in den Text eingebunden werden können. Im Gegensatz zum spontanen Schreiber verliert der Planer allerdings selten den Überblick, da er sich, sobald er mit dem Ausformulieren der Sätze anfängt, genau an seine Gliederung hält und schon vor dem Schreiben ein genaues Ziel vor Augen hat. Die Gliederung hilft ihm demnach nicht nur dabei, den Text inhaltlich und strukturell sinnvoll aufzubauen, sondern bietet auch den Vorteil, dass selten Zeitdruck entsteht. Durch das zielgerichtete Schreiben muss der Text am Ende nur noch wenig überarbeitet werden und die Zeitplanung kann präzise eingehalten werden. Dies kann jedoch dann zu einem Nachteil werden, sobald das Thema zu komplex wird:

„Manchmal lässt sich die Struktur vorab nicht festlegen – zum Beispiel bei sehr komplexen Themen, die erst nach und nach Form annehmen. So etwa bei wissenschaftlichen Arbeiten: Die Gliederung ist dann nur eine vorläufige und flexible, die sich im Laufe des Schreibens immer wieder verändert.“ (Scheuermann 2011: 17)

Somit kann bei diesen Themen die Struktur des Textes erst im Laufe der Zeit Form annehmen, was dazu führt, dass der Schreiber seinen Text im Vorhinein nicht zu Ende planen kann und ihm das eigentliche Schreiben schwer fällt.

Unter Schritt für Schritt finden Sie Techniken, welche Ihnen helfen können, Ihre Stärken zu fördern und den Schwächen entgegenzuwirken.

Der Puzzler oder der Patchwork-Schreiber

‚Das, was ich jetzt will, tue ich!‘

Der Puzzler verwendet viele Schreibstrategien der anderen Schreibtypen. Da er nach dem Lustprinzip arbeitet, also immer an der Textstelle schreibt, bei der ihm gerade am meisten einfällt, erstellt er teilweise eine kommentierte Gliederung, überarbeitet er seine Texte oder schreibt spontan einen großen Textabschnitt. So entsteht sein Text aus vielen verschiedenen Teilen, an denen er abwechselnd arbeitet. Die Idee hinter seinem Vorgehen versteht meist nur der Puzzler selbst, weshalb sie sich von außen kaum erschließen lässt. Er empfindet viel Freude am Schreiben, da er immer an dem Textteil arbeitet, zu dem er aktuell die meisten Ideen hat. Durch die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Schreiben kann er schnell mit der Textproduktion anfangen, wobei der Fokus eher auf den Inhalten liegt, als auf der perfekten Ausdrucksweise.

Als Schwachstelle dieses Schreibtyps wird angesehen, dass der Puzzler durch das wechselnde Vorgehen den Überblick verlieren und seine Textteile nicht mehr optimal inhaltlich miteinander verknüpfen kann. Dadurch bedingt fertigt der Puzzler häufig verschiedene Versionen an, in denen die Textteile unterschiedlich verknüpft sind. Dies kann den Puzzler jedoch frustrieren, da er einige Textversionen verwerfen muss und es ihm dabei zudem nicht leichtfällt sich nach dem Schreiben für eine Textversion zu entscheiden.

Unter Schritt für Schritt finden Sie Techniken, welche Ihnen helfen können, ihre Stärken zu fördern und den Schwächen entgegenzuwirken.

Der Redakteur

„Der Redakteur ist der Perfektionist unter den Schreibern.“ (Scheuermann 2011: 38)

Die stetige Verbesserung an einer Arbeit ist das Hauptmerkmal des Redakteurs. Das Geschriebene wird vom Redakteur immer wieder durchgelesen und überarbeitet, sodass erst durch Verbesserungen eine endgültige Textversion entsteht. Hierbei werden aber immer nur Textteile überarbeitet, der komplette Text entsteht erst schrittweise in einem längeren Prozess. Die Überarbeitungsphase ist somit nicht von der Schreibphase abgegrenzt, sondern in das eigentliche Schreiben werden immer wieder Absätze integriert oder gekürzt. Obwohl der Redakteur dem Schreibtypen des Pläneschmieders ähnelt und ebenfalls vor dem Schreiben einen Plan erstellt, dient dieser eher zur groben Orientierung Der Redakteur verfasst schneller eine erste Version und in kurzer Zeit viel Text. Allerdings kann die Überarbeitungsphase nach dem Verfassen der ersten Rohfassung sehr lange dauern, da der Redakteur selten mit seinem Text zufrieden ist und oft lange an einzelnen Formulierungen feilt. Das Ziel seines Textes erschließt er sich, ähnlich dem Remixer, erst während des Schreibens, wobei ihm das ständige Überarbeiten hilft. Somit beschäftigt sich der Redakteur intensiv mit den Inhalten des Themas und kann neue Ideen sehr gut in seinen Text einbinden. Dennoch kann es passieren, dass der Redakteur nicht aufhört, seinen Text zu überarbeiten, da er die perfekte Formulierung noch nicht gefunden hat. Dies führt zu Frust und der Schreib- und Gedankenfluss wird durch das ständige Überarbeiten gebremst. Auch überprüft der Redakteur auf Grund von mangelnder Motivation oder Zeit in der Endphase nicht mehr, ob seine Ideen sinnvoll miteinander verknüpft sind.

Unter Schritt für Schritt finden Sie Techniken, welche Ihnen helfen können, Ihre Stärken zu fördern und den Schwächen entgegenzuwirken.

Der Remixer oder der Versionenschreiber

„Schreiben ist Umschreiben durch Neuschreiben“ (Grieshammer 2013: 36)

Das erste Schreiben des Remixers ist dem des spontanen Schreibers sehr ähnlich. Er schreibt einen ersten Text zu einer Idee, allerdings schreibt er danach nicht an diesem Text weiter, sondern schreibt zur selben Idee einen neuen Text. Es entstehen so mehrere Versionen eines einzelnen Textes, da der Remixer lieber einen neuen Text schreibt, als einen vorhandenen zu überarbeiten. So kann er immer wieder neue Ideen in seinen Text einbauen und produziert sehr schnell sehr viel Text. Diese Vorgehensweise des Remixers lässt sich etwa mit dem Arbeiten in einem Steinbruch vergleichen: „Entweder schichtet der Versionenschreiber die Steine anders und behaut sie: er schreibt um. Oder er holt neue Steine aus dem Steinbruch: er schreibt neu.“ (Scheuermann 2011: 21) Die schriftliche Auseinandersetzung mit der Idee ist das Hauptmerkmal des Remixers. Durch das Verfassen mehrerer Versionen ergeben sich weitere Ideen für eine neue Version. (Vgl. Ortner 2000: 421) Die Problematik des spontanen Schreibers, der hierbei das Thema aus den Augen verlieren kann, kommt beim Remixer demnach nicht vor, da er, obwohl er zunächst assoziativ vorgeht, durch das häufige Neuschreiben den Kern des Themas herausarbeitet. Durch das Verfassen von vielen verschiedenen Versionen kann der Remixer allerdings den Überblick verlieren und somit in Zeitnot geraten. Auch kann das Verwerfen vieler Textvarianten als sehr frustrierend empfunden werden und wichtige Sachverhalten können verloren gehen.

Unter Schritt für Schritt finden Sie Techniken, welche Ihnen helfen können, ihre Stärken zu fördern und den Schwächen entgegenzuwirken.

Wann bietet sich welche Schreibstrategie an?

Die Strategie des spontanen Schreibers eignet sich besonders, um nach einer längeren Schreibpause wieder mit dem Schreiben anzufangen. Hierzu kann beispielsweise ein Freewriting erstellt werden, bei dem innerhalb von kurzer Zeit viel Text produziert wird.

Die Strategie des Pläneschmieders bietet sich vor allem dann an, wenn der Schreibende oft den roten Faden verliert und eine Feinstruktur benötigt. Hierbei kann die Technik des Textpfades verwendet werden, welche eine Erweiterung der groben Gliederung ist. Dazu wird nur ein Abschnitt geplant, weswegen das Zeitfenster für das Anfertigen eines Textpfades nur ungefähr fünf Minuten beträgt. Dabei werden auf der linken Seite des Textpfades die Strukturelemente aufgeführt und auf der rechten Seite die Inhalte in Stichworten hinzugefügt.

Die Schreibstrategie des Puzzlers wird empfohlen, wenn der Schreiber noch keine passende Technik gefunden hat, auf Grund der Tatsache, dass bei dieser Strategie viele Schreibtechniken vereint sind. Auch ist die Strategie ideal, um nach einer Schreibpause wieder mit dem Schreiben anzufangen, da bei dieser Strategie während des Schreibens selten Frust entsteht, weil nach dem Lustprinzip gearbeitet wird.

Die Strategie des Redakteurs bietet sich an, sobald ein kurzer wissenschaftlicher Text geschrieben werden muss, da die Überarbeitungsphase nach dem Verfassen der ersten Rohfassung sehr lange dauern kann. Durch das häufige Überarbeiten ist jedoch gewährleistet, dass sich der Schreiber intensiv mit dem Text auseinandergesetzt hat und neue Ideen, die während des Schreibens entstehen leicht in den Text eingearbeitet werden können.

Die Strategie des Remixers ist dann geeignet, wenn man verschiedene Strukturen erarbeiten möchte oder „Schreibende schon den ersten Satz perfekt formulieren wollen oder generell viel über die Formulierungen nachdenken und dadurch nur langsam ins Schreiben kommen.“ (Scheuermann 2011: 37) Zudem kann das Anfertigen verschiedener Versionen gegen Schreibhemmungen helfen. Hat man große Schwierigkeiten einen Beginn des Textes zu finden, so kann man sich selbst die Aufgabe stellen, mehrere Anfänge zu schreiben und sich erst später für einen Anfang zu entscheiden. (Vgl. Fritzsche 1994: 191)