Schritt für Schritt

Schreibtypen und Schreibstrategien

Schritt für Schritt

Schritt 1

Der erste Schritt zur Optimierung des eigenen Schreibprozesses besteht darin, herauszufinden, welcher Schreibtyp man selbst ist. Dazu dient der hier angesprochene Schreibtypen-Test . (Hinweis: Dieser Test unterscheidet zwischen 5 Schreibtypen. In der Fachliteratur findet man bis zu 10 verschiedene Schreibtypen, die sich jedoch teilweise nur wenig unterscheiden und deshalb auch aus Gründen der Übersichtlichkeit im Rahmen dieses Moduls zu 5 Schreibtypen zusammmengefasst wurden.)

Schritt 2

Im zweiten Schritt gilt es den Test auszuwerten, wobei ein Schreiber häufig mehr als einem Schreibtypen zugeordnet werden kann, also ein Mischtyp ist. Sollte dies bei Ihnen der Fall sein, lesen Sie sich einfach die passenden Abschnitte im Basiswissen zu den Schreibtypen durch, zu denen Sie sich zuordnen. Dabei geht es darum, sich der Besonderheiten des eigenen Schreibtyps bewusst zu werden und eigene Stärken und Schwächen auszuloten. Die Reflexion der eigenen Schreibstrategien hilft dabei den eigenen Schreibprozess bewusster wahr zu nehmen und offener für fremde Schreibstrategien zu werden.

Schritt 3

Um im dritten Schritt die eigenen Stärken möglichst gut zu nutzen und den Einfluss möglicher Schwächen des eigen Schreibens bewusst so gering wie möglich zu halten, haben wir hier einige Fördermaßnahmen für die entsprechenden Schreibtypen zusammengestellt.

Förderung der einzelnen Schreibtypen, Stärken nutzen – Schwächen ausgleichen

Wie man das eigene Schreiben bestmöglich fördern und unterstützen kann soll in diesem Abschnitt für jeden Schreibtypen dargestellt werden. Dabei wird berücksichtigt, was der jeweilige Schreibtyp gut kann und welche Techniken ihm daher leicht fallen. Zudem wird darauf geachtet, welche Schwierigkeiten auftreten können und wie man diesem am effektivsten begegnet, ohne sich selbst zu verbiegen, denn nicht jeder Schreiber eines Schreibtyp kann ohne Probleme die Strategien eines anderen Schreibtyps übernehmen und mit diesen gut arbeiten.

Hier finden Sie Hinweise dazu, welche Strategien förderlich für ihren persönlichen Schreibtyp sein können. Es lohnt sich, diese einmal auszuprobieren.

Der spontane Schreiber

Als spontaner Schreiber fällt einem das assoziative Schreiben sehr leicht – machen sie sich das zu Nutze! Durch das Anfertigen eines Freewritings können Sie Ideen auf die Art und Weise sammeln, die Ihnen am meisten liegt.

Eine mögliche Schwäche des spontanen Schreibers liegt in der Strukturierung, weswegen sich an dieser Stelle ein Cluster anbietet. Hierbei werden Assoziationsketten angelegt, welche nicht so strukturiert sind wie in einer Mindmap und deswegen dem spontanen Schreiber leichter fallen. Bei der Auswertung des Clusters können so bestimmte Unterpunkte zu einem Thema zusammengefasst werden, wodurch eine erste Struktur entsteht, an der sich der Schreibende dann orientieren kann. So geht das assoziative Schreiben nicht verloren und trotzdem verliert der spontane Schreiber das Thema nicht aus dem Blick!

Sollte ein Problem darin bestehen, dass häufig vom Thema abgewichen wird und der rote Faden nicht immer erkennbar ist, bietet es sich an, nachträglich Überschriften für Absätze zu finden. So kann beim Überarbeiten leicht erkannt werden, ob die Absätze einem roten Faden folgen.

Der Pläneschmieder oder der Planer

Das Anlegen eines Plans, bevor die eigentliche Schreibarbeit beginnt, wird von manchen Pädagogen als positiv empfunden, andere sind der Meinung, dass das Planen kontraproduktiv für das Schreiben an sich sei, da währenddessen nicht mehr gedacht, sondern nur noch niedergeschrieben wird. Ruhrmann geht zudem davon aus, dass Personen, die die Planungsphase zu lange ausdehnen, Schreibhemmungen entwickeln könnten. Um diesem Problem zu entgehen, wird dem Pläneschmieder geraten, eine Mindmap zu erstellen. Dies ist nicht nur eine Technik, welche diesem Schreibtypen hilft, das Thema einzugrenzen, sondern auch, sich in komplexen Themen zurecht zu finden. Das Anlegen einer Mindmap ähnelt der Technik des Clusters , da bei der Mindmap ebenfalls ein zentraler Begriff den Ausgangspunkt der Gliederungsmethode bildet. Allerdings werden im Gegensatz zum Cluster, das Assoziationsketten anlegt, thematische Gliederungen mit Ober- und Unterbegriffen dargestellt. So kann das Thema systematisch aufgeschlüsselt und bildlich dargestellt werden, was der Orientierung im Thema und dem Überblick über das Thema dient. Durch das Verbildlichen des Informationsstandes für ein Thema wird eine Struktur gebildet und die Hauptidee wird durch das Anordnen von Schlüsselwörtern und Nebensätzen herausgestellt. Somit können auch komplexe Themen gegliedert werden, ohne dass sich eine feste Struktur bildet, sodass auch während des Schreibens neue Ideen eingebracht werden können. Aus der Mindmap kann nach der Planungsphase eine Feingliederung erstellt werden, an der sich der Schreibende während der Schreibphase orientieren kann. So wird seine Stärke optimal genutzt und gleichzeitig der möglichen Unflexibilität in der Planungsphase entgegengewirkt.

Sollte nach der langen Planungsphase die Schwierigkeit entstehen, nur schwer mit dem Schreiben anzufangen, bietet sich ein Freewriting an. Hier ist der Vorteil, dass die geplante Idee spontan und unstrukturiert verschriftlicht wird und somit nicht nach dem perfekten Anfang des ansonsten durchdachten Plans gesucht wird. Das Freewriting hilft in diesem Fall, ohne Stress ins Schreiben zu kommen, damit danach der eigentliche Plan einfacher verfolgt werden kann.

Der Puzzler oder der Patchwork-Schreiber

Da der Puzzler immer an der Stelle schreibt, die ihm am meisten Spaß macht, bietet es sich an, im Vorhinein eine Grobgliederung zu erstellen. So kann sich der Puzzler immer an dieser Gliederung orientieren und je nach Lust entscheiden, an welcher Stelle er arbeiten möchte.

Der Schreibtyp des Puzzlers muss sich besonders der Problematiken bewusst werden, welche mit dieser Schreibstrategie einhergehen. Deswegen wird dem Puzzler geraten, Überschriften oder Hauptaussagen seiner Textteile herauszuschreiben, damit er überprüfen kann, ob seine Textteile inhaltlich zusammenpassen. Zudem können gute Ideen durch das springen innerhalb des Textes verloren gehen. Um dies zu vermeiden, kann der Puzzler immer nach einem vollendeten Absatz noch den ersten Satz des nächsten Absatzes schreiben. So weiß er später beim Puzzeln noch, wie er sich die Gliederung an dieser Stelle dachte und kann zudem leichter wieder an dieser Textstelle weiterschreiben, sobald er das möchte.

Der Redakteur

Der Perfektionist unter den Schreibern ist ein Meister des Überarbeitens – leider gerät er deswegen häufig in Zeitnot. Hierzu gibt es zwei Tipps, die dem entgegenwirken können:

  • Die „Wortkritik“, da dem Redakteur das Überarbeiten leicht fällt. Bei der Übung wird sich auf das Wesentliche am Überarbeiten fokussiert und der Redakteur kann somit innerhalb seiner „Comfort-Zone“ Zeit sparen.
  • Gutes Zeitmanagement spielt für den Redakteur eine wichtige Rolle. Bei der Erstellung eines Wochen- oder Projektplans kann weniger Korrekturzeit als bei anderen Schreibtypen eingeplant werden (meist gilt die Faustregel 1/3 Planen, 1/3 Schreiben 1/3 Überarbeiten), da der Redakteur dies bereits während des Schreibens macht; allerdings sollten Deadlines für bestimmte Textteile gesetzt werden. Dies dient dem Zweck, dass die Arbeit rechtzeitig abgeschlossen werden kann – auch wenn der Redakteur mit einem Textabschnitt noch nicht komplett zufrieden ist. Hierzu lohnt es sich, die Übungen und Beispiele des OWLs Planung einer wissenschaftlichen Arbeit anzuschauen.

Der Remixer oder der Versionenschreiber

Dem Versionenschreiber fällt es sehr leicht, ins Schreiben zu kommen. Um Ideen zu sammeln, bietet sich deswegen ein Freewriting als „Quasi-Erstversion“ an. Hierbei kommt der Versionenschreiber schnell zu Ideen, aus welchen er dann nach und nach einen Text entstehen lässt.

Genau wie beim Redakteur ist das Zeitmanagement sehr wichtig. Der Versionenschreiber sollte sich ein Datum setzen, bis zu dem er sich für eine Version entscheiden muss, damit noch genug Zeit für die Endkorrektur (Rechtschreibung, Grammatik, etc.) bleibt. Um einen guten Zeitplan erstellen zu können, empfiehlt sich das OWL Planung einer wissenschaftlichen Arbeit .

Ein Textpfad erleichtert die Entscheidung, welche Version als Endversion genommen wird. So kann überprüft werden, welche Inhalte in welchen Versionen vorhanden sind und wie diese strukturell aufgebaut sind. So geht keine Idee während des Versionenschreibens verloren!

Schritt 4

Im vierten Schritt geht es darum, Techniken und Übungen auszuprobieren und das eigene Schreiben bewusst wahrzunehmen. Dies kann das eigene Schreibverhalten positiv beeinflussen und die persönliche Schreibmotivation erhöhen und damit den individuellen Schreibprozess optimieren.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Schreiben!